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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1225
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A. Tracht. Frankreich . Kleidung der Weiber (17501790). 1225

allen Lüsten geschulte Dubarry ausserdem ein eigenes Gepräge vonSchamlosigkeit, dann aber durch Marie Antoinette , neben häufiger Ab-schwankung von der seitherigen mehr ceremoniösen höfischen Form,gelegentlich bis zu gesuchter Einfachheit, den Anstoss zu einem fasttäglichen Wechsel, wobei die Königin sich selber vor allem bestrebte,sogar unter Mithülfe der berühmten Putzwaarenhändlerin MademoiselBertin und der eben nicht sonderlich berufenen Operntänzerin Guimard ,stets durch neue Erfindungen zu glänzen. Sie selbst kleidete sich nichtselten, ohne jede Rücksicht auf ihre königliche Würde, höchst leicht-fertig. Und als sie einmal ihr Bildniss ihrer Mutter übersandte, schickte

Big. 306.

Maria Theresia dasselbe mit dem schriftlichen Bemerken zurück,an-statt der Königin von Frankreich , die ich im Gemälde zu bewundernhoffte, fand ich den Aufputz einer Operntänzerin. Es kann nicht anderssein, als dass man sich in dem Stücke irrte.

Der Rock hatte einen Umfang erreicht, der ein Wachsen kaum mehrgestattete. Um einmal wieder neu erscheinen zu können, blieb mithin vorallem geboten ihn abermals zusammen zu ziehen, sowohl seiner selbstwegen als auch um Raum zu gewinnen zu sonstigen Neuerungen. Allerdingsmusste es dem so lange gewöhnten Auge keineswegs leicht werden, sichvon dem bisherigen Eindrücke zu Gunsten einer dem gerade entgegen-