1226 IV* Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.
gesetzten Erscheinung zu entwöhnen. Jedoch der Entschluss ward ge-fasst, und nachdem nur erst einmal damit begonnen, griff' es alsbald auchweiter um sich, wenn eben auch zunächst nur dergestalt dass bis gegenEnde der fünfziger Jahre die Robe sich gemeiniglich auf das Maass be-schränkte, von dem sie als „panier“ ausgegangen war, zugleich unterWiederaufnahme auch des damit verbundenen Wechsels, als theils .vorngeöffnet u. s. f. (vergl. Fig. 393 b). Von da an aber bis gegen dieMitte der sechziger Jahre und dann noch mehr bis gegen 1770, nahm dieVerengerung rascher und stetig allgemeiner zu. Schon von vornhereinwar das Reifengestell („cerceaux“) mehrfach der anfänglich üblichenblossen Unterfütterung mit starker Leinwand gewichen. Fortan ward,mit immer selteneren Ausnahmen auch solche Aussteifung aufgegeben,so dass nun das Kleid im Ganzen den Körper von den Hüften ab ineinem verhältnissmässig freien Faltenfluss umgab (Fig. 396 a). Neben-her, mit in Folge dessen, begannen (seit 1765) Einzelne den Rock übereinem dementsprechend geschmückten Unterkleide (,_. jupon“) ringsherum,gelegentlich ziemlich hoch aufzunehmen, das Unterkleid selbst aberhäufiger bis über die Knöchel hinauf zu kürzen (Fig. 396 b).
^ Indessen so langsam
nur man sich von demReifenrock mit all seinerZulässigkeit von Zierbei-werk zu trennen vermochte,derselbe auch immerhin nochals festliche Prachtkleidungfortbestand, so wenig liesssich die Neigung dafür we-der überhaupt, noch garauf die Dauer völlig unter-drücken. Seiner Ausdeh-nungsfähigkeit nach, geradein Anordnung der Einzelaus-stattung den vielseitigstenWechsel begünstigend , boter sich vor allem derjungen Königin , um ihrerPutzsucht zu genügen, alsein viel zu geeignetes Mit-tel dar, als dass sie ihnhätte belassen wollen. So-fort mit dem Regierungsantritte Ludwigs X~VI. feierte durch MarieAntoinette auch der Reif rock als Hofkleidung eine förmliche Wieder-