1230 IV. Das Kostüm vom Beginn des Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.
destens bis zu Ende der siebenzige? Jahre, von da an es dann aller-dings, zugleich mit Ermässigung und Beseitigung des Reifenrocks neben-her üblicher ward, theils den langen Spitzenbehang durch flache, mehroder minder breite Bandgarnituren zu ersetzen, theils, so insbesonderezu den (seit 1788) bedeutend vereinfachten Faltenrocke, ganze, bis zumHandgelenk reichende, ziemlich enganschliessende Ermel mit sehr kurzenManschetten zu tragen ( Fig. 400). — Anders freilich verhielt es sichmit den Ueb erziehleibchen. Diese, bald nach der Mitte des Jahr-hunderts als „ caracos“ auftauchend, bildeten zunächst mehrentheils einloses vorn offenes Schossjäckchen mit mässig engen Halbermein undsehr weitem Halsausschnitt, vor der Brust zum Verschleifen, das Ganzegewöhnlich längs den Kanten mit flach gefälteltem Stoffe („ en platitude“)bandartig besetzt, und eben so ein ,, caraco plisse et ä gorgerette decoltdede taffetas d’Italie mordore.“ Daneben, gewissermassen dadurch ver-anlasst, entstanden im Verlauf der achtziger Jahre, gleichsam als eineNachbildung des männlichen „fraque,“ engeranliegende Knöpfjacken mitkurzem umgeschlagenen Kragen, knappen Schössen und ganzen Ermeln;auch, zugleich in Verbindung damit, eine darunter anzulegende dermännlichen Weste ziemlich entsprechende Schossweste („longue veste u ),beides mit der männlichen Kleidung zumeist auch im Stoffe überein-stimmend. Mit in Folge dessen, eben da nun diese Stücke von der Bobeunabhängig bestanden , trat auch zwischen dieser und ihrem Leib-chen, obschon nur vorübergehend, nach Stoff und Farbe eine Tren-nung ein,
Zu gelegentlicher Bedeckung des Halses diente wie vor einfarbiges Knüpftuch, die „ follette .“ Bei zunnehmender Entblössung wurdedies Tuch zwar nun als „ mouchoir de cou“ grösser beliebt, dennochaber gemeiniglich nur lose derart über der Brust umgelegt, dass diese,nicht selten in ganzer Fülle, hervorblickte. Anderseits ward es, docherst in den achtziger Jahren von England aus üblich, Hals und Brustmit einem, oft ziemlich umfangreichen langen schwalartigen Tuche(„ fichu“) überkreuz weitgebauscht zu umwinden und es rücklings zu ver-schleifen, so dass seine Enden frei herabfielen, eine Anordnung, dieEinzelne, namentlich in Betreff der Aufbauschung bis zur Unform über-trieben (vergl. Fig. 400 a).
Nächstdem gelangten als Uebergewänder zu den bereits bestehen-den, die im Allgemeinen ihre Formen dem Hauptschnitte nach fortsetzten(S. 1215), abwechselnd zu besonderer Geltung di e „levites“ und die „ polo -naises.“ Der „ levite ,“ eine Art von ,, contouche ,“ bildete seit den sieben-ziger Jahren im Wesentlichen eine bis etwas über die Mitte der Unter-schenkel reichende, vorn zu verschleifende; weitfaltige (Ober-) Robe mitlosem Leibchen, gewöhnlich zu mehren Bögen gardinenartig aufgeschürzt