A. Tracht. Frankreich . Kleidung der Weiber (1750—1790). 1231
(Fig. 398 b), und die „polonaise,“ vorzüglich seit 1780 sehr beliebt,ein bis zu den Ivnieen reichender vorn weit offen getragener Umhangmit kurzen Halbermeln oder auch nur mit Armschlitzen, mehrentheilsals „ pelisse “ längs den Rändern mit Pelz verbrämt. — Ueberdies wardin den siebenziger Jahren die Vorsoll iirze („ tablier “) zu einem be-sonderen Putzstück erhoben, als solches nun vorzugsweise aus feinemStoff („ linon “ u. A.) meist von einem Umfang beschafft, welcher min-destens die vordere Hälfte der Robe vollständig deckte, mit zweiSeiten-tasclien versehen und theils sehr reich garnirt. In derartiger Ausstattungzählte sie selbst zur Balltoilette. Es währte dies jedoch wesentlichnur bis gegen Ende der achtziger Jahre, von da an sie, an Breiteverlierend, aus dem öffentlichen, wie insbesondere dem gesellschaft-lichen Verkehr, wenigstens der gebildeteren Klassen wiederum ver-schwand.
Mit den Wandlungen im Einzelnen mehrten sich auch die Bezeich-nungen dafür, wobei, abgesehen dass diese vielfach an das Zunächst-liegende, wie Stoff, Farbe und Form ankniipften, die Händler es nichtfehlen Iiessen solche theils allen nur möglichen Dingen, besonderen Be-gebenheiten, Personen u. s. f. zu entlehnen, theils ganz willkührlich zuerfinden. So nächst den Roben „ä VAnglaise, ä la Polonaise “ u. derglofolgten rasch auf einander „jupes-emues, ebaubics, Soufflees, decidees,craintives, arrogantes, fugitives, galantes u. A. Als zu Anfang desSommers im Jahre 1775 die Königin einmal in einer Robe von glän-zendem Kastanienbraun erschien, äusserte der König lachend : „diese Floh-farbe ( couleur puce ) steht Ihnen zum Entzücken.“ Gleich am folgendenTage sah man die Damen am Hofe fast sämmtlich „ en puce,“ und balddarauf in allen Putzhandlungen diese Farbe selbst als Hauptmodefarbein verschiedenen Abtönungen, als ,jeune“ und „ veille puce,“ als v pu-ceron“ u. s. w.
Die Stoffe unterlagen mehrfachem Wechsel. Zwar blieben für dasErscheinen am Hofe, vornämlich bei festlichen Vorkommnissen mit derFortdauer des Reifenrocks, die seither dafür zumeist verwendeten „drapsd’or“ und „d’argents,“ so wie die „habits äpaillettes,“ die gold- und silber-streifigen Zeuge, Sammet , Atlas und schwere Seide noch vorwiegend inGebrauch; im Uebrigen indessen traten diese nun gegen bei weitem leich-tere und minder kostbare Gewebe durchaus zurück. Es waren dies haupt-sächlich, nächst schwächeren Arten von Sammt und verschiedenen dünnerenSeidenzeugen als „satins taffetas“ und „ indiennes ,“ einfarbig („uni“) oderschillernd („changeants“), und nächst mancherlei Tuchen („draps toiles, cal-mandes“ u.s. w.), unterschiedliche Baumwollengewebe („ etoffes de coton;rouenneries, velours de Manchester “ u. s. f.) und Leinwand („linon“) vonjeder Stärke, — Alles dies in beliebigen meist lichten Farben und zum