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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1233
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A. Tracht. Frankreich . Kleidung der "Weiber (1750—1790), 1233

Fig, 398 a). Auch ward es zu Ende der siebenziger Jahre nebenhervereinzelt beliebt, den Gesammtbau längs beiden Seiten je mit mehren,drei bis vier einander gleichen Lockenwülsten regelmässig zu umziehen.— Aber so erstaunenswert!! eine solche Schöpfung auch schon an sichwar bildete sie doch immerhin nur den Boden zu einer erst eigentlichenAusgestaltung durch allerlei Zierwerk. Es blieb dieses nun zwar wievor mehr Sache der Putzmacherei, musste sich dennoch aber jetzt derGrundform, der Anordnung des Coiffeurs, bei weitem entschiedener unter-werfen, was denn, zugleich bei dem Bestreben stets Neues und immerUeberraschenderes zu bieten, eine sich fast überstürzende Fülle der ver-schiedensten, wie wunderlichsten Gestaltungen mit sich brachte. Dieeinfachsten, auch zunächst üblichsten, beschränkten sich allerdings zu-meist theils nur auf eine Umwindung des Baues mit einem oder mehrenBändern, Schnüren, Perlen, Blumen u. A., theils, oft in Verbindung mitdiesen Dingen, auf ein Bestecken der Scheitelhöhe mit einigen farbigenbreitwallenden Straussenfedern in fast senkrechter Erhebung, wohinzu,als eine Erfindung Marie Antoinette’s , eine Einordnung von zwei bis dreiPfauenfedern trat. Indessen, gleichmässig wie dann das Toupet in dieHöhe und Breite wuchs, dehnte sich auch sein Aufputz aus, bald dieganze obere Fläche bedeckend. Ausgehend von einer Erweiterungdes üblichen Häubchens („a touvans“) zu umfangreichen farbigen Stoff-massen, und einer launenhaft wechselnden vielfältigsten Durchbildungderselben zu Bauschen, Puffen u. dergl., untermischt mit Bändern,Schleifen, Quasten, Blumen, Federn u. A., nebst einer unteren Umgrän-zung durch abtheilungsweise aufgebauschte Zeugstreifen mit Zwischen-quasten, schmale gardinenartige Gehänge von Spitzenwerk, Weisszeugu. s. f., schritt man, bei fast täglichem Wechsel, zu allen nur möglichenWillkührlichkeiten, wie auch insbesondere zu thunlichst getreuer Nach-bildung der verschiedensten Gegenstände sowohl der Kunst als der Natur,nach dem Allem die Gestaltungen selber je eigens, oft seltsam genugbenennend. Ja kein Gebiet blieb unberührt: Geschichte, Sternkunde,Mythologie, Kriegswesen, Gartenbau u. s. w., ausnehmende Persönlich-keiten, augenblickliche Begebnisse, auch von untergeordnetster Bedeutung,selbst das tiefere Seelenleben wurden dafür in Anspruch genommen, jedesin irgend einer Weise zu der Form in Beziehung gesetzt. So denn ent-standen in rascher Folge, nicht selten um schon am nächsten Tage vonänderen Gebilden verdrängt zu werden, aus Zeug,gefertigte Aufsätze inForm eines geflochtenen Korbes, gefüllt mit Blumen („ä la Flore 11 ) odermit Früchten („cl la Pomone “), ebenso wieder nun demgemäss je eigensbehandelte Coiffuren „ä la Junon, ä la Ceres, ä la Calypso“ und „ä

Minerve letztere in Gestalt eines Helms mit hochstrebendem Feder-

Weis*, Kostümkunde. III- 78