A. Tracht. Frankreich . Kleidung der Weiber (1700—1790). 1235
„en herisson “ zu ordnen, oder ringsum zu einer breiten kleinlockigen Masseaufzulösen (vergl. Fig. 400). Auch hierbei erhielt der Puder sich inGeltung, obschon nun keineswegs mehr ausschliesslich, da mindestens zuEnde der achtziger Jahre (etwa seit 1789), nach kurzer iibergangsw r eiserAnwendung einer blonden Bepuderung, es Einzelne bereits vorzogenunge p u d e rt sich zu zeigen.
Mit der Rückkehr zur niedrigen Frisur trat die Kopfbedeckungim engeren Sinne, als Haube, Mütze, Hut u. s. f., auch wieder in ihreRechte ein. So lange die um 1750 bestehende, bescheidenere Anordnungdes Haars darüber hinaus noch fortdauerte blieben auch die damit ver-bundenen flacheren Häubchen („ä touvans“) allgemeiner in Gebrauch-Sie selbst erhielten in dieser Zeit noch mancherlei eigene Ausgestaltungen,und demnach auch vielfach verschiedene, theils höchst wunderliche Benen-nungen, wie „bonnet- en rave, navet, choux, laitue, asperge, gondole ff., ägrenade, ä Ja cerise, ä la Thisbe, ä la Fanfan, au vol d’amour, auxSentiments replies“ u. s. w. Dennoch bewegte hierbei der Wechsel sichvorwiegend in den herkömmlichen Grenzen, eben hauptsächlich nur inder Anordnung der einzelnen Besatzstücke, der Bänder, Schleifen, Spitzen,Kanten, Wangenlasehen u. dergl. In solcher Form aber, wozu inzwischenvon der Schweiz und Italien ausgehend ein runder gesteift - breitkrem-piger Strohhut {„chapeau de paille “) mit sehr niedrigem, flachen Kopfkam, konnten sie dann, als die Coiffuren in die Höhe und Breite wuchsen(seit 1775) allerdings nicht fortbestehen. Und so denn wurden dieseHäubchen zuvörderst im Ganzen aufgegeben, alsbald jedoch wieder aufge-nommen, um fortan eben zu diesen Coiffuren als ein besonderer Theil ihresPutzes aufs mannigfachste verwerthet zu werden (S. 1133). — Die nunmit der niedrigen Frisur aufkommenden eigentlichen Kopfbedeckungenschlossen sich dann theils wiederum jenen früheren Häubchen an, andern-theils waren es von vornherein der Gestalt nach wirkliche Hüte („cha-peaux “). Die Hauben entfalteten sich sofort zu umfangreicheren Mützen( n bonnets“), theils zu zwei längs der Scheitellinie miteinander verbun-denen nach unten abgerundeten Laschen, bisweilen statt der Scheitel-verbindung mit weitem faltigen Oberstück (vergl. Fig. 399), theils zueiner langgezogenen, sich nach oben erweiternden, ballonähnlichen, fal-tigen Masse; im ersten Falle fast ausschliesslich reich mit Spitzenwerkbesetzt, oft damit gänzlich reihenweise lose ziegelartig bedeckt, im andernFalle gemeiniglich nur längs dem Rande faltig garniert; beiderseits abermeist ausserdem mit Bändern und Schleifenwerk ausgestattet: Vorzugs-weise die ersteren, wie die reicheren überhaupt, je nach der Ausstattungs-weise besonders, wie namentlich die Spitzenhauben älterer Damen als»u la Fierrot“ die einfacheren und bequemeren als „dormeuses“ und»baigneuses“ bezeichnet. — Die Hüte glichen der Form nach mehrentheils