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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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i 1236 IV. Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

den männlichen Hüten, diese jedoch meist weit überbietend. Demnachwurden vor allem beliebt sowohl niedrige flache Hundkappen mit sehrbreit ausladender Krempe, als auch rundlich endigende Kappen mitmehrfach aufgebogenem Rande. Hauptsächlich über einem Drahtgestell,von Gaze, Seide, Sammet u. A., mitunter auch von plüschähnlichemoder sonst rauhem Stoff („ ä Vourse“) hergestellt, erhielten sie einenwechselnden Schmuck, oft von beträchtlichem Umfange, durch Bänder,Blumen und Federbüschel (vergl. Fig. 400 b). Daneben fand der flach-bodige breitrandige Strohhut weitere Verbreitung, und gegen Ende derachtziger Jahre auch der, von den Männern getragene, hohe kegelför-mige kurzkrempige „chapeau en pain de Sucre “ allgemeinere Aufnahme.Noch sonst aber wurde gerade der Hut häufigerem Wechsel unterworfen)wie denn allein jener erstere, der mit breitem Rande aus farbigen Stoffen,seit 1784 in kaum zwei Jahren siebenzehnmal, und zwar je nachdemals „ ä La caisse, decompte , s ans fonds“ u. s. w. bezeichnet.

Die Fussbekleidung änderte sich verhältnissmässig am wenigsten.In den Fällen allerdings, wo der Zeitgeschmack es liebte die obere Robeaufzunehmen und das Unterkleid kurz zu tragen, mithin den ganzen Fusszu zeigen, legte man denn auch besonderen Werth auf dessen zierlicheAusstattung. Dann waren gewöhnlich die Strümpfe gezwickelt unddie Schuhe von feinstem farbigem Leder, mit hohen schlank ausge-schweiften Hacken, auch wohl auf dem Spanne sorgfältigst geschnürtoder mit zierlicher Schnalle besetzt.

Zu den bestehenden Nebendingen zur Ergänzung der Toilette, denSchmuck Sachen und Verse h ö n e rungsmi 11ein, welche sachlichziemlich dieselben blieben (S. 1217), kamen gewissermassen als neuetwa seit Anfang der siebenziger Jahre in zunehmender Verbreitungleichte, handliche Sonnenschirme („parasols“) , je nach dem geradeherrschenden Geschmack von eigener, oft reicher Durchbildung (Fig. 398a b), und, gleichsam als Wiederaufnahme eines seit lange ruhenden Ge-brauchs, gegen Ende der achtziger Jahre, zierliche Spazierstöckchen(„badines “) mit unterschiedlich verziertem Knopfe, wie auch das Tragenvon „ Lorgnons “ auf. Die Fächer aber vermannigfachten sich, vor-nämlich in Betreff ihrer Aufmalereien, und erhielten, gleich den sonstigenGegenständen, die wunderlichsten Benennungen. Auch eigneten sich dieDamen allraälig, mit der Gewohnheit des Schnupftabakschnupfens, kost-bare „Tabatieren “ au. Im Uebrigen erfuhr die Verwendung vonkostbaren Schmucksachen eine durchgreifende Einschränkung. Soinsbesondere seit dem Beginne der Regierung Ludwigs XVL, da MarieAntoinette , um in gesuchter Schmucklosigkeit recht eigens persönlich zuglänzen, es häufiger geflissentlich verschmähte derartige Geschmeide an-zulegen. Ebenso schwand im Allgemeinen der Gebraucji der Schön-