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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1237
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A. Tracht. Frankreich . Kleid, im Besonder.; Männer u. "Weiber (1790—1800). 1237

p f 1 ä s t e rc h e n („ mouches und (seit 1788), wenn auch vorerst nochsehr vereinzelt, der der Schminke und Bepuderung. —

Der gewaltsame Ausbruch im Juli des Jahres 1789, so folgenschwerfür das staatliche und gesellschaftliche Verhalten, bildete ebenso denAusgangspunkt zu einem nachhaltigen Umschwünge, gleichwie in deräusseren Erscheinung überhaupt, so auch, und namentlich in der Beklei-dung. Nicht dass dies gerade plötzlich erfolgte oder auch nur sofortmerklicher hervortrat, vollzog es sich vielmehr im Verhältniss zu derraschen Entfaltung der inneren Zustände, eben stets erst als Ender-gebniss derselben, ziemlich langsam. So mindestens im Allgemeinen.Denn freilich an Einzelnen fehlte es keineswegs, die der so heftigdurchbrechenden Strömung auch gleich von vorn herein sowohl kleidlich,als durch besondere, den Zustand im Ganzen bezeichnende Merkmale, be-stimmten Ausdruck zu geben suchten. Zu den letzteren Bestrebungenzählte, zugleich als für die Kleidung an sich nicht ohne Bedeutung, diealsbaldige Feststellung einer (neuen) Nationalfarbe. Der VorschlagCamille Demoulins das bisherige Weiss durch Roth zu ersetzen, fandkeinen Anklang. Es wurde Grün gewählt, und dies in Kurzem gegeneine Vereinigung der Farben des Stadtwappens von Paris , des weissenSchilfs auf rothem Grunde, mit der Farbe des Hauses Orleans , einemdunklen Blau, vertauscht, somit die Dreifarbigkeit („tricolore “) Roth,Weiss, Blau dauernd angenommen (vergl. S. 180). — Aber schon dasJahr 1790 griff merklicher durch. Die bei wachsender Verwirrung sichbefestigende Volkspartei, die Umtriebe der Jacobiner, welche zunehmendan Macht gewannen, der Cordeliers u. A., die Begründung des Nach-forschungsausschusses mit seiner feilen Angeberei, die Abschaffung desErbadels, und vor allem die steigende Geltung des niederen arbeitscheuenVolks; dies, und die stetige Bedrängniss des Königs gaben allmälig deräusseren Erscheinung, wie vorzugsweise des eigentlichen Bürgerthums,in immer weiteren Kreisen ein gewisses Gepräge von Willkühr und Zer-fahrenheit. Indessen noch bestand der Ilof, und bildete auch nach derSeite immerhin noch eine Stütze, wenn schon allerdings seit seiner Ent-führung von Versailles nach Paris bereits in tiefstem Grunde erschüttert.So kam das Jahr 1791. Und damit nun auch, wie insbesondere durchden misslungenen Fluchtversuch der königlichen Familie beschleunigt,der durchgreifende Wendepunkt. Zwar verblieb der König einstweilenals unverletzliches Oberhaupt, auch gelang es den Jacobinern noch nichtmit dem von ihnen zusammengerotteten verlumpten Gesindel, den „ sans -culottes ,“ ihre Zwecke durchzusetzen, jedennoch mit der dem Königeabgenötlügten Beschwörung der (September-) Convention, und der sofor-tigen Ersetzung der Nationalversammlung durch die (gesetzgebende) „Con-stituante “ war, zumal bei dem in dieser .Versammlung rasch wachsenden