A. Tracht. Frankreich . Kleid, im Besond.; Männer u. Weiber (1790—1800). 1239
so auch auf nur einzelne Kreise, und an sich vorübergehend. Dennochwirkte es, wie schon dadurch dass es die öffentliche Meinung hinsichtlichdes Anstandszwangs verschob, auf das Verhalten überhaupt, auch fürdie Folge bestimmend zurück. Auch zeigte solche Wirkung sich schongleich nach Aufrichtung der Republik , wie namentlich seit der Hinrich-tung des Königs, und noch mehr dann während des Schreckenssystemsund unter dem Directorium (von 1793 bis 1799) in einem noch auffäl-ligeren und beständig rascheren Wechsel. Niichstdem dass nach derHinrichtung des Königs jene dem Pöbel eigene Bekleidung, nun alseigentliche Jacobinertracht, vorerst noch weitere Verbreitung fand,somit der „Sansculottismus“ an sich innerhalb des Bürgerthums, wenneben auch nur auf einige Monate, noch durchgängiger zur Geltung ge-langte, liessen es sich dann nach dem Sturze der Schreckensmänner dieThermidorianer (seit Juli 1794), gerade gegensätzlich dazu, besondersangelegen sein durch eine gesuchte, stutzermässige Eleganz zu imponiren-Zwar hatten auch von den Schreckensmännern mehre, wie Robeepierreselbst, den Frack, die Kniehosen, Strümpfe und Schuhe nebst Puder-frisur stets beibehalten, doch ohne dies eben eigens zu steigern; jene in-dessen erschienen beständig gleichsam wie im Ballanzuge, und dazu ge-meiniglich mit hoher grüner Halsbinde und längs den Wangen herabfal-lendem sorgfiiltigst geordnetem Haar, den sogenannten „oreilles de einen. 11Nun auch begannen die einzelnen Parteien sich je äusserlich zu bezeich-nen, so die „ chouans “ oder Anhänger der Bourbons in der Vend6e durchdas einfache r habit carre,“ die Anhänger der Republik durch das „habitbleu et pointu,“ die Royalisten durch krause gepuderte, die Jacobiner,nach Beseitigung ihrer sonstigen Bekleidungsweise, durch lange, glatteHaare u. s. w.
Auch die Weiber ermangelten nicht sich ferner dem ähnlich zubewegen, jedoch nun überdies mehrentheils mit Verleugnung jedes zar-teren Gefühls; ja auch selbst während der Schreckenszeit sich ohne vomUnglück beirren zu lassen, je nach Umständen besonders, gleichviel obzum Wege zur Guillotine oder in Nachahmung irgend eines hervorragen-den Schlachtopfers, angelegentlich zu putzen. So unter anderen veran-lasstc die Hinrichtung Charlotte Corday’s (1793), mit in Folge derimponirenden Würde, welche sie dabei bewahrte, dass Tags darauf diejüngeren Damen in Hauben und Schärpen „ä la Corday “ erschienenund dies nun auch gleich mit solchem Eifer, dass es der Convent fürrathsam hielt dagegen ernstlich einzuschreiten. Noch sonst aber zeigtensie sich vielfach, vorniimlich später, wie vor allen in den gesellschaftlichenKreisen der Mitglieder des Directoriums, wenn eben auch häufig mitvielem Geschmack, doch zumeist ohne irgend welche Rücksicht auf Scham-haftigkeit „<z la fantatsie tt gekleidet. «