1240 Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.
Anderseits begannen dann Einzelne, hauptsächlich angeregt durchdas Wesen der republikanischen Verfassung, ihre Gedanken vorzugsweisedem Alterthume zuzuwenden, den Römern und Griechen nachzuahmen,und zu versuchen nun solchem Gebühren mehre Geltung zu verschaffen.Mit zu den Eifrigsten dieser Richtung zählten der Maler Louis Davidund seine jugendlichen Schüler. Derselbe ging in der von ihm beabsich-tigten Einführung seines „Statuen-Costums“ so weit, dass er statt Hosen,Strümpfe und Schuh einzig Sandalen haben wollte, und statt des Uebri-gen lediglich die Tunica und ein Ueberwurfgewand; und dies für beideGeschlechter gleichmässig. Waren die seitherigen auffälligen Ueberschrei-tungen keineswegs ohne gänzlichen, vereinzelten Widerspruch geblieben,fand dieser Plan doch insbesondere seine entschiedenen Gegner, wie dennselbst an dem Maire von Paris, Petion du Villeneuve, dem Begründerdes Wohlfahrtsausschusses, welcher es, wie Alles demähnliche, geradezuein Affenspiel nannte. Dennoch gewann es manche Anhänger. Und sosah man bereits gegen Ende des Jahrs 1793, und auch folgends nochhäufiger, auf den öffentlichen Gängen im Palais de Luxembourg , wie auchauf Bällen und in Conzerten, unter Vortritt der Schüler Davids nichtwenige Herrn mit ihren Damen ausstafllrt einestheils wie Apelles, Phidias ,Alkibiades u. s. f., anderntheils wie Aspasia , Lais, Phryne u. s. w. Bei-derseits trugen sie die „tunique,“ die Männer kürzer, die Damen lang,nebst einem andersfarbigen Umwurf, dies freilich nicht immer von klas-sischer Form; die Damen zumeist ausserdem, abgesehen vom Kopfputze,um die sonst völlig lose Taille ein bald schmaleres, bald breiteres Band(„aemonide“) zwanglos geschlungen. Die Einen bedeckten ihre Füssemit einer Art von starksohligem „cothurn“ Andere mit leichten.Sandalcn,deren Bänder die Wade hinauf zierlich überkreuz gebunden, und nochAndere schmückten sich mit Perlen, Steinen u.A.m. Ein gleichzeitigerBerichterstatter theilt darüber folgendes mit: 1 „Besuchen Sie einmal dasConzevt im Theatre de la rue Feydeau, und Sie werden von der MengeJuwelen und Gold geblendet werden, womit die Damen bedeckt sind.Betrachten Sie diese brillanten Geschöpfe näher, und Sie werden leichtbemerken, dass sie entweder gar keine oder höchstens nur halbe Hemdentragen. Der ganze Arm, der halbe Nacken, die ganze Brust ist bloss.Verschiedene haben ihren dünnen Florrock noch auf jeder Seite hinaufgeschürzt, so dass sie auch noch die schöne Wade sehen sollen; kurzdie Indecenz der Trachten dieser Tmpossibles ist unbeschreiblich. Ma-dame Taillien 2 erschien auf dem letzten grossen Balle im Opernhause,
1 Vergl. Journal für Fabrik, Manufaktur, Handlung und Mode Bd. XII-S. 392, S. 473 m. Abbildg,
i Eine beliebte, ihrer Schönheit wegen berühmte Schauspielerin.