A. Tracht. Frankreich . Kleid, im Besonder.; Männer u. Weiber (1760—1800). 1241
und hatte nicht nur den Kopf, die Brust, Arme und Hände mit Juwelenbedeckt, sondern sie hatte sogar die Fiisse auf römische Art mit Bändernumwunden und an jeder Zehe einen prächtigen Ring stecken“..; zufolgedesselben Berichterstatters „trug sie ein Kleid nach griechischem Geschmackvon weissem Atlas, darüber einen (blauen) römischen Schurz, sehr reichmit Gold gestickt, rücklings mit goldenen Quasten zusammengeschlungen,und um die Taille eine rothe, reich mit Gold gestickte Schärpe. IhrKopfputz bestand aus einem weissatlassnen, mit Steinen besetztem durch-brochenem Casquet, welches ihr schönes schwarzlockiges Haar überalldurchblicken Hess. Die Arme, von schönster Rundung, waren nackt undje (über der Hand, inmitten des Unter- und Oberarms) mit drei goldenenArmbändern geschmückt, die von Perlen und Diamanten erglänzten. DieBeine bedeckten seidene, fleischfarbene Tricots, und die Füsse bis zurWade kreuzweise geordnete rothe Bänder. An jeder Zehe und jedemFinger zeigte sich ein kostbarer Ring. Das Kleid war an beiden Seitenbis an die Knie aufgenommen, hier von diamantner Schleife gehalten,so dass das Bein bis über die Wade dem Auge völlig blos ge-stellt blieb. Ihre Ohrringe, ein paar Schulteragraflen,-wie alle ihre son-stigen Nippes bestanden in diainantnem Schmuck von ausserordentlichemWerthe. Das Ganze machte eine unbeschreibliche Wirkung und allge-meine Sensation.“ — Bei aller Bewunderung indessen, welche dieseklassische Bekleidungsweise ■wohl erregte, wie auch trotz aller Bemühun-gen ihr eine weitere Aufnahme zu verschaffen, wollte sie doch wederallgemeineren Anklang noch überhaupt Bestand gewinnen. Nicht alleindass denn doch die Temperatur ihr Recht dagegen geltend machte, ver-mochte sie auch wenigstens in derartiger Gestaltung die öffentlicheMeinung nicht zu überwinden. Vereinzelt, wie sie auftauchte, so auchnur setzte sie sich fort, schon nach einigen Monaten allmälig fast biszum Verschwinden abnehmend. Aber drang nun auch gerade solcheForm nicht durch, blieb gleichwohl diese Richtung an sich keineswegsohne Erfolg, vielmehr wirkte auf die Gesammtheit und zwar dergestaltzurück, dass diese folgends einen mindestens ganz ähnlichen Weg ein-schlug (s. unten).
Noch ferner, gleichzeitig damit, bildete sich, theils dem gänzlichentgegenstrebend, ein männliches und weibliches Stutzerthum aus, dessenvorzüglich Betheiligte als „ muscadins, prclcntieux, incroyables “ und „ mer -veilleux “ wohl an der herkömmlich allgemeineren Form der Bekleidungfester hielten, sich nun aber darin gefielen dies in höchst renommistischcrWeise, meist seltsam genug, zu übertreiben. Die Männer, hauptsäch-lich ausgehend von der seitens der „Thermidorianer“ hervorgehobenengesuchten Ausstattung, wetteiferten in langem Haar, gepudert, seitwärtsherabhängend {„oreiUes de chien“), das übrige „en cadenet“ nach oben