Buch 
3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
Entstehung
Seite
1247
JPEG-Download
 

A. Tracht. Frankreich . Kleidung im Allgem. der Miinner (1790—1804). ] 247

so fand es Nachahmer und darunter mehrere, welche dies sofort selbst dahinübertrieben, dass sie die Verlängerung oben bis unter die Arme ausdehn-ten. Dies nun zwar hatte wenig Erfolg, verlor sich auch bald wieder;dagegen erfreute sich die Verlängerung nach unten immerhin eines Bei-falls, so dass sie mindestens seit der Mitte der neunziger Jahre sich inWeiterem verbreitete. Zugleich in Verbindung damit, dies denn nochbesonders begünstigend, gelangte in Nachahmung mehr soldatischer Art,an Stelle der Schuhe, der hohe Stiefel zu mehrer Geltung; zuvörderstals einfacher Stulpenstiefel oder „hotte ä retromsis, u sodann, etwa seitdem Jahre 1797 daneben, als glatterllusarenstiefe]. Die Folge war, dass

Fig. 103.

die Hose sich bis in die Stiefel verlängerte, mithin der Strumpf über-haupt vtrschwand (Fig. 403 a). Indessen, nachdem einmal dies erreichtwar, richteten Einzelne dann ihren Blick auch auf die weiten, überdie Stiefel fallenden Pantalons. Nur sehr schüchtern zwar machten siesich an diese, seither eben nur als ländliche Sommerkleidung geduldeteForm; jedoch der Entschluss ward gefasst, und im Jahr 1798 mindestensversuchsweise ausgeführt (vergl. Fig. 403 b). Aber die Sache, die über-dies stark an den „Sansculottismus“ gemahnte, wollte durchaus noch keinenFortgang finden, und wurde, zumal gleich mit dem Beginn des Consulats,wieder aufgegeben.

In Betreff der Behandlung des Haars bereitete sich gegen Ende derachtziger Jahre eine Wandlung vor, die, rasch weiter greifend, bereits um