A. Tracht. Frankreich . Kleidung der Männer (1790—1804). 1249
die Puderfrisur, den dreieckigen Hut, doch eben auch nur als Staatstracht,so dass, wenn er dadurch auch einigen Vorsprung gewann, solcher dochimmerhin beschränkt* und von nur kurzer Dauer war. — Aber bei allerHartnäckigkeit, mit welcher jeder dieser Hüte um die Herrschaft stritt,vermochte keiner doch seine Form unverändert zu bewahren. Der drei-eckige Hut wandelte sich, unter mehrfachen Schwankungen, bis gegendas Jahr 1794 zu einem fast ausschliesslich nur vorn und hinterwärtsaufgeschlagenen im Bogen endigenden steifen „Dreimaster,“ gemeiniglichvon ziemlicher Länge, um dann etwa seit dem Jahre 1798, mit Beibehaltder Grundform, zu dem vorn an jeder Seite massig einwärts gebogenen„Napolconshnt“ zusammen zu schrumpfen. Auch kam daneben, als fest-licher Schmuck, der „ claque “ wieder in Aufnahme. — Dem ursprüng-lichen Rundhut dagegen erwuchsen schon bald sogar mehre Nebenbuhler.Zu Ende der achtziger Jahre als „chapeau en pain de surre“ auftau-chend, und so fortan häufiger getragen, meist umwunden mit dreifarbigerBinde (vergl. Fig. 402 a c.), ward derselbe schon nach wenigen Jahren(seit 1793) durch einen beträchtlich niedrigeren Rundhut mit gerader oderleicht geschwungener) gesteifter Krempe stark beeinträchtigt. Letztereraber fand zunehmend Beifall. Und wiederum, schon nach Verlauf vonkaum zwei Jahren (seit 1795) gelangte nun er derart zur Vorherrschaftdass er, bei nur noch geringen Wandlungen im Einzelnen, fast ausschliess-lich in Anwendung blieb (Fig. 402 b; Fig. 403 a b ; vergl. Fig. 407).
Der Aufwand an sich erfuhr einen tiefgehenden Bruch. Abgesehenvon festlicher Ausstattung und der unter dem Consulat als Staatstrachthalbwegs wieder aufgenommenen altroyalistischen Formen, wobei gele-gentlich Sammt, Seide und Gold- oder Silberbesatz abermals eine Rollespielten, beschränkten die Stoffe sich fortan im Allgemeinen auf ver-schiedene Tuche, Baumwollenzeug und Leinwand. Auch die Buntfarbig-keit schwand dahin, und ward vorwiegend durch dunklere oder dochgebrochene Töne i n Grau, Braun, Blau u. s. f. verdrängt. So wenigstensim alltäglichen Verkehr, ausgenommen die Beinkleidung, dafür allerdingsmehrentheils hellere Stoffe, hauptsächlich in Weiss und Gelb den Vorzugerhielten.
So auch veränderten sich die mancherlei kleidlichen Nebendinge,sowohl der Zahl als dem Werthe nach. Zwar fanden seit Ende derachtziger Jahre, in Nachahmung der von den Weibern seit länger getra-genen Sonnenschirme (S. 1236), die Regenschirme („ parapluies “)rascher weitere Verbreitung, auch kam während der Revolution der Ge-brauch von Ohrringen auf, die dann Einzelne, wie vor allem die „in-croyables“ selbst von auffälliger Grösse beliebten, ebenso der Gebrauchder Busennadeln; doch wurde dadurch der Aufwand keineswegs ver-mehrt. Denn dagegen verloren sich die Muffen und vereinfachten sich
Weis®, Kostümkundo. Hf. 79