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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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11250 IV. Daa Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

bedeutend die Uhren, die man jetzt überdies auf eine beschränkte, wieauch deren Gehänge, die meist nur noch aus einem Petschaft bestan-den, die Schuhschnallen, Tabatieren, Stöcke u. s. w. —

Nicht minder schritt die weibliche Bekleidung auch in ihrenzumeist eingehaltenen, eigentlichen Hauptformen, und zwar in nochengerem Anschlüsse an die nebenher laufenden Sondergestaltungen alsdie männliche, zu einer dementsprechend denn auch noch durchgängigerenVereinfachung vor.

Die zu Ende der achtziger Jahre noch mehrfach bestehenden Ueber-treibungen, wie die männlichen Ueberziehjacken, die weitbauschigen Vor-bindetücher, die riesigen Hüte u. A., verloren sich gleich nach Beginnder neunziger Jahre wesentlich zu Gunsten einer dem Bau des Körpers'angemesseneren Gesammtersche.inung. Der Rock gewann von der Tailleabwärts, nun unter allmäliger Beseitigung jeder künstlicheren Ausstei-fung, zugleich bei massiger Verlängerung zur Schleppe, völlig freienFaltenüuss und, in Verbindung damit das Leibchen, durch verminderteAnspannung der Schnürbrust an Freiheit, sich den Formen fügen zukönnen, während die Ermel ja ohnehin schon den Armen gleichmässiganschlossen. Bei solcher Gestaltung nun, die bereits bis ins Jahr 1792gewissermassen ihren Abschluss erreichte, beschränkte sich denn auchein eigentlicher Wechsel lediglich auf Einzelheiten; auch, abgesehen dasswohl vorerst noch (bis 1791) bisweilen eine vorn offene (Ober-) Robebeliebt ward, fast ausschliesslich auf das Leibchen selbst. Dieseswurde entweder bis über die Brust, oder (mehrentheils) bis zum Halsehin geschlossen; im ersteren Falle mitunter vorn von der Taille aufwärtsgeöffnet und längs der Oeffnung jederseits kragenartig glatt umgeschla-gen: „Robe montante ä collet renverse“ (vcrgl. Fig. 404). Dazu ver-blieb als Halsbedeckung sowohl das einfache Tuch („ mouchoir“), loseumgelegt und leicht verknotet, als auch die grössere schwalartige „fichu“,ebenso wie seither vor der Brust überkreuz nach rückwärts, doch jetztohne irgend welche Aufbauschung, höchst maassvoll umgeschleift {Fig.404b).— Zu demähnlicher Freiheit entfaltete sich die Anordnung des Haars.Die rings um den Kopf zu beträchtlicher Breite aufgelockerte Puder-frisur „ ä Venfant “ und „ä Jurisson “ zog sich zuvörderst zu einem mirmässig sich erhebenden Gekräusel^zusammen, um bald darauf, wenigstensvorwiegend, durch eine völlig zwangslose Gestaltung der ungekürztenFülle, durch eine schlichte Scheitelung mit hintwärts breiten, leicht auf-gebundenen Strehnen oder frei fallenden Locken, ohne Puder, ersetzt zuwerden. Hiermit auch schwand der Kopfputz als Hut, Haube undBänderwerk auf ein sehr bescheidenes Maass, ja beschränkte sich nun-mehr nicht selten auf nur ein einfaches Band, ausgenommen freilich dassEinzelne sich gleich anfänglich den (männlichen) Hut „en pain de Sucre“