1252 Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.
Fassung. Nicht lange jedoch, mehrentheils schon seit dem Jahre 1794,ward die Zahl jener Kleider verringert, ja mehrfach bis auf nur einenRock, der dann meist überdies erst von der Taille beginnend nur biszur Mitte der Waden reichte. Und dazu nun erfuhr das Oberkleid oderdie fortan sogenannte „tunique“ selber eine stets leichtfertigere Behand-lung. Sie anfänglich noch häufiger, unter Beibehalt der Gurtung überden Hüften, bis zum Halse geschlossen und mit kurzen Schulterermelngetragen (Fig. 405 a), wurde folgends weit überwiegend, bei zunehmendhöherer Gurtung, vor der Brust fast völlig geöffnet, ohne Ermel, ja selbstohne Schulterstücke belassen, statt derselben mit schmalen Tragebändern
Fig. 405.
versehen, und nicht selten von so dünnem Stoffe gefertigt dass sie, zu-mal bei dem nur kurzen, bisweilen hellfarbigen Unterrocke, mehr ver-rieth denn verhüllte (vergl. Fig. 405 b ). Um hierbei der Witterung zubegegnen, und dennoch mindestens den Schein der Wirklichkeit zuwahren, bediente man sich zur Bedeckung der Beine fleischfarbenermeist seidener Tricots, diese zuweilen, in seltsamem Widerspruch zujener Absicht, mit farbigen Kniebändem umschleift, und mit farbigenauch silbernen Zwickeln verziert. Ja, und so überaus luftig dies war,beschränkte das Uebrige sich dennoch fast lediglich auf einzelne, zumeistkurze Umhänge und, jedoch auch erst gegen den Schluss der neunzi-ger Jahre ausserdem auf ein von England her entlehntes, knappesErmeljäckchen, den „Spencer“ (Fig. 405 c ). Jene Umhänge aber