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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1254 IV. Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

keine Ermel, so ward sie gelegentlich auf den Schultern, in antikisiren-der Weise, vermittelst Agraffen zusammengefasst; war sie mit knappenSchultefermeln, so erhielten diese tlieils, gleichfalls antikisirend, aussenherab einen Besatz von Knöpfchen, tlieils aber, freilich dem sehr entgegen,eine kugelige faltige Aufbauschung nebst glattem oder gekräuseltemRandabschluss (vergl. Fig. 406 b). Und eben dazu nun traten, einer-seits als Behänge, theils nach Art der römisch-griechischen, entwederringsum an dem Halsausschnitt oder vom Gürtel aus befestigte, vornund rücklings frei fallende Stoffmassen von unterschiedlichem (antiki-sirendem) Schnitte, anderseits als Ueberziehstücke, gemeiniglich voneigener Erfindung, theils kurze Obertuniken, theils halbe, oft nur vonder Taille an bis etwas über die Knie herabreichende, mehr schurzartigeGewänder; zumeist die einen wie die anderen von dertunique inFarbe verschieden (vergl. Fig. 404 b c). Den Randschmuck im Allge-meinen bildeten vorzugsweise römisch-griechische Randverzierungen, dochauch mancherlei eigene, ja bisweilen recht schwülstige Besätze, nichtselten selbst von farbigen Schleifen u. dergl., wie auch gelegentlich, sobei der tunique misse, schmale Randstreifen gar von Pelz. Nächst-dem aber kamen zu Ende des Consulats auch noch wirkliche Ueber-ziehkleider auf, von denen einige, für den Winter bestimmt, eben-falls Pelzbesatz erhielten. Sie glichen vorwiegend, wie die ,, douilletteskurzen zierlichen Schultermäntcln, oder. es waren knappe Jäckchen inArt des eigentlichenSpencer, zuweilen alsspincer ä collet mitkleinen Ueberschlagkrägen, oder auch förmliche Mäntel (,, mantelets),Pelzkragen (,, palatines) und mit Schwanenboy besetzte ,, pelerines enduvet de eigne. Die Nacktheit der Arme beförderte die Verbreitungder langen Handschuhe {Fig. 406 a b).

Das Haar erhielt sich in seiner Einfachheit, auch ungeachtet dassdie Bepuderung noch einmal, im Jahre 1795, zur Vorherrschaft gelangte.Indessen war dies von nur kurzer Dauer. Schon gleich mit der Um-wandlung der Robe zur hemdförmigentunique verschwand jene fastgänzlich, womit freilich auch die so geschmackvolle Anordnungvon frei fallenden Hinterhauptlocken {Fig. 404 b) bei weitem wenigergefälligen Formen weichen sollte. Diese letzteren selbst bildeten imWesentlichen ein dichtes Gekräusel über der Stirn, das sich längs denWangen zu kurzen Locken oder wenigen kurzen Strehnen, und rücklingsin einem kurz aufgenommenen, theils geflochtenen chignon verlor.Bisweilen auch legte das Haar sich in Gestalt von Flechten rings umden Kopf oder, wenngleich seltener, je gleichförmig über den Ohren; inallen Fällen aber den Nacken frei lassend. Vorzüglich dadurch mitbe-stimmt, gestalteten denn zugleich die Kopfbedeckungen sich zu ver-hältnissmässig sehr kleinen, im Einzelnen vielfach wechselnden runden