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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1260 IV, Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis anf die Gegenwart.

lungert wurden. — Das Haar unterlag, bei fortdauernder Zusammen-gezogenheit, einem mehr willkiihrlichen Wechsel, wobei gelegentlichwieder kurze Seitenlocken auftauchten, während von den Kopfbe-deckungen insbesondere die Hüte sich noch ferner vergrösserten, undzwar vorwiegend in der Form eines gebogenen Vorderstücks mit schrägdarauf befestigter walzenförmiger hoher Kappe; oft seltsam genug aus-gestattet mit hochaufstrebendem Schleifenwerk.

Indessen während diese Unform sich in ihrer Art noch weiter aus-zubilden drohte, begann eine gegenstrebende Richtung sich bemerkbarzu machen. Es geschah dies im Jahre 1810, und kündigte sich dadurchan, dass mehre Damen wiederum die Taille tiefer herabrückten und inFolge dessen, um den Busen zu unterstützen, abermals zu einem be-sonderen, wenngleich ziemlich losen Unterschnürleibchen („corset “)zurückgriffen. Vorerst noch, bis zum Jahre 1813, fand dies allerdingsnur massigen Anklang, auch einstweilen noch mehrfachen Ersatz durchdie Wiederanwendung von knappen, eng zu verknöpfenden Ermeljäck-chen (vergl. Fiy. 408 c ). Von da an jedoch griff die längere Taille,und dann auch das Unterschnürleibchen rasch weiter um sich, so dassmindestens nach dem Jahre 1816 die frühere Form schon nahezu alsaltfränkisch galt. Mit der durchgreifenden Wiederaufnahme der Sehnür-brust aber, und ihrer damit nur allzubeschleunigten Fortbildung zu ihrereinstigen Beschaffenheit als engstanzuspannendes „Corset “, ward derKleidung dann überhaupt auch wiederum ein fester Anhalt zu einertheilweisen Wiedergeburt aller der Gestaltungen, die sich als damitwesentlich verbunden seit dem Schluss des sechszehnten Jahrhundertsaufsteigend entfaltet hatten, — des Steifrocks, Reifenrock („crinoline“),des engen kurzen Rocks („ japonais u ), des weiten Rocks mit „cwZ“ und„bouffante s“, der „ contouches“ u. s. w., wie denn zugleich in Verbin-dung nun damit, der bald niedrigen, bald hohen Frisur („ chignon “), desfrei gelösten Haars u. s. w., der flachen und hochhackigen Schuhe, jaselbst auch der „Stocksonnenschirme“ u. A. m.

In den übrigen Staatsgebieten griff die Modeherrschaft Frankreichs zunehmend tiefer. Von den höheren Ständen aus erstreckte sie sich inimmer weiterem Umfange auf die mittleren und niedereren Klassen, zumTheil selbst auf die Landbevölkerung. Freilich geschah dieses auchferner vorwiegend in dem seitherigen Verhältniss, so dass es sich in denwestlichen Ländern am durchgängigsten, und wiederum in den Haupt-städten daselbst bei weitem am tiefsten vollzog, jedoch auch im Allge-meinen nun immerhin dergestalt, dass kein europäisches Gebiet mehr