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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1271
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A. Tracht. Niederlande . Kleidung d. Weiber (1750—1815 ff.). 1271

silberne Kniptasche, wozu bei den Hausmüttern noch ein ungeheurerBund Schlüssel von allen Thüren, Kasten und Schränken kommt“...

„Wir sind in Nordholland . Sehen Sie da diese artige Blondinein einem Schacht von Gold, Perlen und Diamanten. Jetzt streicht sieden Kranz von Haaren, der um den Kopf sitzt (denn das Haar auf demScheitel ist abgeschnitten) nach oben, bindet es zusammen und setzteine runde pappene Kapsel (Pol) auf, um dem Hinterkopf desto mehrRundung zu geben. Hierüber setzt sie eine kleine schwarze Mütze.

, Um die pappene Kapsel zu unterstützen, legt sie ein Zoll breiteskrummes goldenes Blech (Hoofdeyzer, Took genannt) an, welches siehan den Hinterkopf schliesst, und bis an die Ohren reicht. Hierauf setztsie ferner eine Haube von Musselin oder Spitzen und befestigt das Tooküber den Ohren an solcher mit Diamanten oder goldenen Haarnadeln.Vorne ins Haar steckt sie noch eines oder auch zwei ein Drittel Zollbreite goldene, zuweilen mit Diamanten garnirte krumme Bleche, welcheanderthalb Zoll lang auf der Stirn vorliegen, und mit der Zeit einensolchen Eindruck machen, dass man ihn selbst an den Stirnknochen be-merkt. Von einem Ohr bis zum anderen schlägt sie die Haare in einfingerdickes Löckchen. Nun legt sie die steifste mit Fischbein staffirteSchnürbrust an... Sie verhüllt hierauf den Busen mit einem paar Flor-halstüchern bis oben an den Hals und umschliesst ihn mit einer schwerengoldenen Kette. Vor der Brust befestigt sie ein buntes abstehendesBand, welches mit einer goldenen oder diamantenen Brustschnalle ver-sehen ist. Ihre Handschuhe prangen mit goldenen oder diamantenenKnöpfchen und die Arme mit dergleichen Braceletten. Ein langer Kon-fusch muss nun die obere Hälfte von sechs bis sieben, von einem Reif-rock unterstüzten Röcken, wovon der obere voll dicker Falten, sehr langund von Seide oder Zitz ist, bedecken; die lange Schürze hat an beidenSeiten in der Mitte zwei seidene Bänder, womit sie hinten auf demRücken festgebunden wird. Die Dame legt solche neben den kleinenSchuhen mit grossen Schnallen, einem Bund Schlüssel und einer silbernenKniptasche zuletzt an, und nimmt eine schwarze Regeukappe dazu indie Hand. Jetzt ist der Zauber vollendet; Sie sehen nun das schlanksteniedlichste Weib in eine unbehülflicheSpinnenfigur verwandelt, die den kleinengeleckten Kopf, gleich einer Schildkröte aus ihrem Harnisch hervorreckt...Die Kostbarkeit dieses Putzes Hesse sich wohl noch entschuldigen, daer von der Grossmutter auf die Enkelin forterbt, und Coiffeurs, Mode-händlerin und alle Luxuskrämer entbehrlich macht. Indess deucht mirdoch, dass die Frauenzimmer in Nordholland nichts dabei verlierenwürden, wenn sie der Göttin der Mode ein wenig mehr opferten, oderwas noch besser wäre, eine erträgliche Nationaltracht erdächten. Aberhierzu ist nur wenig Hoffnung! Der grösste und reichste Theil der