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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1277
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A. Tracht. England. Kleidung der Weiber (1750—1815 ff,). 1277

nebeneinander Verwendung nicht allein die (jetzigen) mehr flach ausge-spannten Reifröcke und die wieder weiteren Roben, sondern auch dieverschiedenen, bald höheren bald niederen Frisuren, so wie auch die zuersteren Röcken getragenen, taillelosen Ueberziehroben und die leichterenUeberziehröcke mit ihren theilweisen Aufbauschungen, wie die „con-touches “ u. A. m. (vergl. S. 1225 ff-). Die daran vorgenommenen Ermässi-gungen bestanden, alle Theile betreffend, hauptsächlich in Verminderung derAusstattungsweise durch zierendes Beiwerk, und rücksichtlich jedes Theilsan sich, vorwiegend in einer, wenn auch nicht gerade immer besondersgeschmackvollen, bescheideneren Ausgestaltung. So, in fortdauernderVerbindung mit dem engstangespannten Leibchen, erhielten unter anderemdie meist nur bis zum Ellenbogen reichenden Erinel, vornämlich zu we-niger weiten Röcken, mehrentheils eine Durchbildung die dem Ober-körper „das Ansehen gab, als wenn er weder Brust noch Schultern habe,“die Reifröcke aber häufiger eine sich von oben nach unten gewisser-massen trichterförmig stark erweiternde Ausdehnung, und so auchdie Anordnungen des Haars, bei aller sonstigen Milderung, nicht seltenhöchst willkührliche, fast regellose Zusammensetzungen, welche gele-gentlich selbst die französischen Unformen überboten. Auch fehlte esunter den eigenen Erfindungen keineswegs an Uebertreibungen, wohinausser der, auch in Frankreich vielfältig nachgeahmten, unmässigen Auf-bauschung von umfangreichen Busentüchern (S. 1230), vorzüglich einzelneKopfbedeckungen, wie riesige ballonartige Mützen, eben derartige Ueber-ziehkappen („ calash “) von tonnenförmiger Ausladung, meist reich dra-pirte Schleiertücher, sehr kleine Hütchen u. A. zählten. Und ganz dem-ähnlich in Weiterem, während Alles dies sich überhaupt bis in den An-fang der neunziger Jahre in demselben Verhältniss fortsetzte. — Einetiefergreifende Störung erfuhr es wesentlich erst in Folge der fran-zösischen Revolution. Nicht nur dass das Ausbleiben der französischen Modeberichte darauf zurückwirkte, fanden auch die während dieser Zeitin Paris selbst auftauchenden Moden, und so auch noch deren nächsteNachläufer nur äusserst wenig Anklang. Wohl stellte sich mit demWiederbeginn des Fortgangs jener Nachrichten nach der Mitte der neun-ziger Jahre auch ein dem früheren Zustande ähnliches Verhältniss her,also dass die französischen Gestaltungen abermals der Grundform nachallgemeinere Geltung erhielten; indessen hatte der inzwischen eingetre-tene Verkehrsbruch immerhin Formen entstehen lassen, welche ihr Eigen-recht nun auch zu wahren suchten. Diese Formen, zum grösserenTheil beruhend auf einem freilich mehr willkührlichen Zurückgreifenzu Gestaltungen des sechzehnten und siebenzehnten Jahrhunderts, tratenvor allem den übertrieben griechisch-römischen Formenbildungen ent-gegen. In Folge dessen bildete sich, nun allerdings nicht minder auch