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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1291
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A. Tracht. Deutschland (Preussen; Kleidung der Weiber: 1700—1750). 1291

reichen Adel und solchen vornehmen Personen, deren amtliche odersonstige Stellung sie dazu berechtigte. Was zu diesen Ständen nichtzählte, beschränkte sich mehr und mehr auf wollene, linnene und andereZeuge, wie eben vorzugsweise auf inländische Erzeugnisse. Seitens derMänner wurde der mit der soldatischen Bekleidungsweise zumeist über-einstimmende vorn abgeschrägte Frack, vorwiegend von blauem Tuche,und der dreieckige Hut nun fast durchweg beliebt; und so auch warddie grosse Perrücke, nur vorerst noch ausgenommen bei Ministern, Räthen,Doctoren, der Geistlichkeit und den ansässigen Franzosen, die sich meistdavon sehw r er trennten, zunehmend allgemeiner von kleineren, dem „Muf-fer“ ähnlichen Perrücken, wie folgends, obschon langsamer, von der Sol-datenfrisur verdrängt. Hierbei nun freilich blieb man nicht stehen. Nächst-dem dass Viele zunächst, die sich mit dem Zopf nicht befreunden konnten,zum französischen Haarbeutel griffen (S. 1290), ward es üblich die Seiten-haare über den Ohren rund aufzurollen; alsbald auch dieser Rundvrulstmehre eben solche Rundwülste dicht über einander beizuordnen. In denkleinbürgerlichen Kreisen begann eine Sparsamkeit einzutreten, welche,immer tiefer greifend, sich selbst auf Nebendinge erstreckte. Demzufolgekam es auf, auch unter Beamten, sich bei der Arbeit zur Schonung derKleider der Vorsteckermel und Schürzen zu bedienen, auch den „Jabot“und die Manschetten, damit es sich länger rein erhielt, nun vom Hemdelosgetrennt als blosse Vorsteckstücke zu tragen. Im Uebrigen aber er-schienen fast Alle, die irgend welche Geltung hatten oder darauf An-spruch machten, wie denn insbesondere Räthe, Aerzte und Gelehrte, ausserim abgeschrägten Frack, mit einem Degen, rothem Mantel und Schuhenoder Stiefel mit stumpfen Spitzen.

Den Weibern freilich ward es schwerer sich des Putzes zu ent-schlagen. Jedoch da der König in deren Neigung zu einer reicherenAusstattung den Hang zur Liederlichkeit erblickte, mussten sie eben,wollten sie nicht dieser Anschauung verfallen, dem Beispiele des Hofsfolgen. Im Verruf vor allem waren auffällige Ausstaffirungen des Kopfs,so von vornherein die Fontangen, welche sich mithin auch zunächst (seit1720) verloren, und das Schminken, das höchstenOrts ganz besonders als„Gräuel“ galt. Aber auch die Reifröcke sollten beträchtlich ermässigtwerden, während nun die Entblössung der Brust, die freilich auch nichtskostete, so wenig wie am Hof selbst beschränkt, so auch von Obenher keine besondere Anfechtung erfuhr. Vorzüglich empfindlich traf dieWeiber das so gestrenge Verbot der Kattune (S. 1290). Eine derar-tige Beschränkung aber noch zu den schon sonstigen Entsagungen war. denn doch allzu schwerwiegend, um nicht sofort zur Herstellung einesGegengewichts zu drängen. Nicht lange auch, so war dies gefunden;indessen, wie die Dinge lagen, blieb es unabweislich geboten den Aus-