1292 IV- Dm Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.
gleich nur mit aller Vorsicht, nach und nach herbeizuführen. Es betrafnun dies vorzugsweise die Verwendung von Spitzen und Kanten, die inhohem Preise standen, also dass die Neigung zum Aufwand jetzt erstrecht freies Spiel gewann. Vorerst schüchtern auftretend, zunehmendkecker vorschreitend, griff dieser Aufwand dann dergestalt um sich, dassschon gegen Ende der zwanziger Jahre, und folgends in weiteren Krei-sen „der Ruf von dem Wohlstände und der Glückseligkeit einer Hausfraunach der Fülle ihrer Spitzen beurtheilt ward.“ Nachdem jedoch erst ein-mal dieser Durchbruch glücklich gelungen war, begann das üebrige auch
zu wanken, und so auchnoch vor dem Ableben desKönigs das Ganze selbst sichwiederum dem zeitläufigfranzösichen Alodewechselfester anzuschliessen.
Gleichwie von den Wei-bern mitfortgezogen, suchtedann auch das männlicheGeschlecht sich demähnlichzu entschädigen. Im Ganzenzwar bewahrte es, wie in Hal-tung, auch in Kleidung seinsoldatisches Gepräge; indes-sen kehrte es allmälig zueiner reicheren Ausstattungzurück, und wählte dazunun namentlich die geradein den dreissiger Jahreneigens künstlich gefertigtenAufnäthereien und bestick-ten Zeuge, die „marsailles,points“ und „ canevas .“Zunächst nur von denVornehmsten und Begütert-sten getragen ( Fig. 409), gingen sie in nicht langer Frist, wenngleichwohl in minder künstlichen und um so viel billigeren Nachahmungen,auf die sonstigen Stände über.
Als Friedrich II. den Thron bestieg, war der Gebrauch sich modischzu kleiden nicht nur wieder in vollem Gange, sondern schon bald auchso allgemein, dass man die Wenigen, welche die seitherige Fracktrachtfortsetzten, die „Friedrich-Wilhelms-Männer“ nannte. Der König selber,ohne gerade besonderen Werth darauf zu legen, war der Mode nicht ent-
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