A. Tracht. "Waffen und Bewaffnung, im Allgemeinen (1700—1815 ff.). 1319
und Bügel. Der Pallasch, einestheils dem ähnlich, nur im Ganzenetwas schwerer, erhielt folgends häufiger eine gerade einschneidige Klingeund, wie auch schon seither gelegentlich, einen mehrfach gebügeltenHandkorb. Dem Degen verblieb im Allgemeinen eine drei bis vierFusslange, gerade, zweischneidige Klinge mit Stichblatt, kurzer Querstange,geradem Griff und einfachem Bügel. — Davon führten den Säbel oderPallasch die leichte und schwere Reiterei, so wie auch bis zum Jahr1750 die Grenadiere der Infanterie,'von da an jedoch nur die erstere,den Degen dagegen die Infanterie, ausgenommen die Officiere einzelnerAbtheilungen, welche sich des Säbels bedienten. Da der Degen sichgegenüber der Fortbildung des Exercitium vor allem für den gemeinenSoldaten immer hinderlicher erwies, so wurde er für diesen beträchtlichgekürzt, und aus eben dem Grunde dann, zuerst von Friedrich Wil-helm /., durch den „Hirschfänger“ ersetzt. Es war dies ein geradesSeitengewehr mit einer ziemlich breiten, flachen einschneidigen, nur obenzweischneidig spizigen Klinge, und einfachem Griff nebst kurzer Quer-stange. Nach der Mitte des Jahrhunderts mehrentheils gegen ein eben-falls kurzes, doch wiederum leicht gebogenes, säbelartiges Messer ver-tauscht, ward der (gerade) Hirschfänger alsdann in jüngster Zeit ge-meiniglich znm Aufstecken auf das Gewehr, um so als Bajonnet zudienen, eingerichtet.
Die Wiedereinführung der langen Pike durch Friedrich II. geschahim Jahre 1745, indem dieser damit, nach dem Beispiele der Polen ,seine „Bosniaken“ und tt Towarzysz“ bewaffnete. Danach ward in Oest-reich ein ebenso bewehrtes „Ulanen 11 -Regiment errichtet, und diesem inFrankreich die „Landers “ nachgebildet, welche wiederum nach demrussischen Kriege (seit 1812) insbesondere in Deutschland u. s. w. Nach-ahmung fanden. Die Waffe selbst bildete ein hölzerner Schaft von achtbis zwölf, später mehrfach von vierzehn bis sechszehn Fuss Länge, miteiner zumeist dreikantigen acht bis zehn Zoll langen eisernen Spitze,theils mit darunter befestigtem Fähnchen, einem Armriemen, eisernenSchuh nebst Erdstachel. Sie verblieb der Reiterei, ausgenommen dasssich ihrer, doch immerhin nur in Ermangelung sonstiger Waffen, auchwohl das Fussvolk, wie gelegentlich inPreussen u. s. w. der sogenannte„Landsturm“ bediente.
Die Handfeuerwaffe gelangte von vornherein zu einer Geltung,so dass nun sie, vor allem als „Muskete“ oder Infanteriegewehr, in Ver-bindung mit dem „Bajonnet “ jede wettere Waffe fast überflüssig er-scheinen Hess, ja vereinzelt auch der Vorschlag gemacht wurde, sichdarauf zu beschränken. Es beruhte dies aber vorzüglich auf der soraschen Verbreitung des Flintstein- oder „Batterie“-Schlosses, sofortnach dessen durchgängiger Einführung bei der französischen Armee im