1330 IV. Daß Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.
nehmend vielseitiger herausbildete. Noch bis gegen Anfang des Jahr-hunderts beschränkten die Mittel der Bewegung sich fast lediglich, ab-gesehen von der Elasticität der Spirale, auf Luft-, Wasser-, thierischeTriebkraft, und die Zugkraft durch Gewichte. So weit nun Alles diesauch zur Herstellung von mannigfachen, selbst höchst künstlichen Ma-schinen verwandt worden war und ferner ward, blieben solche immer-hin diesen Kräften unterthan, abhängig von den ihnen eigenen nichtzu bewältigenden Zufälligkeiten, mithin auch in ihrer Wirkung wie inihrer Fortgestaltung zu mehrer Verwendbarkeit begrenzt. Mit Ausnahmemechanischer Kleinkünsteleien und nur weniger Hand-Maschinen, wieinsbesondere einzelner zur Verfertigung von Strickereien, Wirkereienund sonstigen Geweben, von Drehbänken, Pressen, Walzen u. dergl.,bestanden die eigentlichen „Maschinen“ noch bis zur Mitte dieses Zeit-raums wesentlich in umfangreichen, meist schwerfälligen Vorrichtungen,abzweckend gemeinhin nur auf Bewältigung von an sich massigen Roh-stoffen als Vorarbeit zu weiterer Verwerthung.
Jedoch während schon diese Maschinen als ein Triumph der Me-chanik galten, begann seit Anfang des Jahrhunderts die Forschung sich,angeregt durch den Mathematiker Denis Papin (gest. 1710), unter Vor-gehen Savary's (1698), des Schlossers Newcomen u. A., der Verwend-barkeit des Wasserdampfs mit steigendem Eifer zuzuwenden. Wasnun darin Savary und Newcomen im Verein mit dem Glaser JohnCawley, freilich noch ziemlich roh leisteten, wurde in Weiterem aufge-nommen und bei wachsender Theilnahme scharfsinniger Mathematiker,wenngleich langsam, schrittweise, und auch nicht ohne mehrfache kräf-tige Mitwirkung des Zufalls, höchster Vollendung entgegen geführt.Schon kurz darauf, nachdem im Jahre 1722 der Engländer Polter zuKönigsberg in Ungarn eine Dampfmaschine, freilich nur zum Ausschöpfendes Grubenwassers gebaut hatte, erfand (1724) ein Deutscher, Jacob Leupold (1675—1727), die für die besondere Ausgestaltung so folgereiche„Hochdruckmaschine.“ Vielseitige Verbesserungen wurden hier unddort unternommen, im Jahr 1731 durch Jonathan Hornblower, dannaber vorwiegend im Jahre 1769 durch James Watt (geb. zu Greenock 1736, gest. 1819), ferner durch Treverthic, und seit dem Jahr 1802durch Vivian, Arthur Woolf u. A. — Bei alledem fanden diese Ma-schinen, so lange sie einzeln beschafft wurden, eine nur spärliche Ver-breitung ; so in Frankreich , von England aus, durch Constantin Perrier(1742—1818) erst nach der Mitte des Jahrhunderts. Zu allgemeinererVerwendung aber gelangten sie hauptsächlich erst dadurch, dass, indemJohn Cockerill (1790—1840) eine Dampfmaschinen-Fabrik in grösstemMaassstabe begründete, es dann auch Andere unternahmen sie gleich-falls im Grossen zu beschaffen.