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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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IV. Das Kostüm vom Beginn des 18

Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

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mehr auch der des täglichen Gebrauchs, fanden die englischen Fabrikatewenigstens der Mehrzahl nach bei stetig zunehmender Nachfrage von daan rasch allgemeine Verbreitung, dergestalt dass seit dem Ende derfranzösischen Revolution, vornämlich durch diese mitbegünstigt, darinEngland geradezu der Monopolist von Europa ward und auch in vielen. Dingen blieb.

, Von den einzelnen Gewerben gelangte schon bald nach Beginndes Jahrhunderts die Töpferei in weiterem Sinne durch das endlicheGelingen der Herstellung desPorcellans zu weitestgreifender Bedeutung.Was dem in Dresden mit dieser Erfindung beschäftigten von Tzschirn-hausen selbst zu erzielen nicht vergönnt war (S. 1129), sollte nichts-destoweniger in Folge seiner Bemühungen aufs vollkommenste erreichtwerden. Es war dies dem Apothekerlehrling J. F. Böttiger (16851719)Vorbehalten. 1 In Berlin , seinem Wohnorte, sich als Goldmacher aus-gebend, und vom Könige von Preussen bedroht die Goldmacherei fürihn auszuüben, entfloh er nach Wittenberg in Sachsen . Die Forderungdes Königs ihn auszuliefern, wurde bei der gleichen Begierde des ver-schwendrischen August von Sachsen mit Entschiedenheit abgelehnt;Böttiger vielmehr nach Dresden geführt, und da er nach Wien entfliehenwollte, auf den Königstein gebracht, um hier nun unter strenger Be-wachung in wohl eingerichteter Werkstätte seine Goldmacherei zu be-treiben. Tzschirnhausen nahm sich seiner an, und statt ihn sich aneitelem Werke zwecklos abmühen zu lassen, lenkte er dessen Thätigkeit,zugleich als Vermittler zwischen ihm und August I., auf die Erfindungeben jener Steinmasse. Aber noch immer glückte es nur gefärbte, höch-stens gelblich weisse, weniger feuerbeständige Mischungen hervorzu-bringen. Und doch lag das Geheimniss so nahe, die weisse minera-lische Erde, dasCaolin, worauf es ankam, zu Aue bei Schneeberg weithin verbreitet. Auch hatte sie seit lange Verwendung gefunden,freilich nur zur Verfertigung von Puder als Ersatz von Waizenmehl.So war aber denn auch der Gedanke des vielgeplagten Alchimisten alsihm ein Päckchen solches Puders gelegentlich in die Hände kam, eseinmal damit zu versuchen, zugleich der entscheidende. Der Versuchglückte aufs trefflichste. Und das Räthsel war gelöst.

Es geschah dies im Jahre 1709. Jedoch schon im Jahre 1707 warin Folge der bisher gewonnenen Ergebnisse, neben Böttigers Laborato-rium, auf der Jungfrauen-Bastei zu Dresden unter Mitwirkung Tzschirn-hausens, der im nächsten Jahre starb, eineStein- und Rundbäckerei

1 C. A. Engelhardt. J. F. Böttiger, Erfinder des sächsischen Porzellans.Leipzig 1837; vergl. Dr. G. Klemm. Die königlich säohsische Porzellansamm-lung u. s. w, Dresden 1834. E. F. Vogel. Geschichte der denkwürdigsten Er-findungen u. s. w. Leipzig 1842. II. S. 193 ff.; u. A.