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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1333
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B. Geräth. Handwerk: Töpferei (Porcellan) im Allgem. (17001815 ff.). 1333

für Geschirre und Fliesse errichtet worden. Allerdings vermochte sievorerst noch nicht wirkliches Porcellan zu liefern; indessen gelang esBöttiger bereits im Jahre 1808 eine Masse herzustellen, die auch ausich schon geeignet war einen namhaften Erfolg zu sichern. Noch indemselben Jahre legte er damit vor dem Könige und dem Statthaltervon Fürstenberg eine glänzende Probe ab, indem er ein aus dieserMasse angefertigtes Gefäss aus der Glühitze des Ofens heraus sofort inkaltes Wasser tauchte, und es unbeschädigt blieb. Immerhin aberwollte es noch in keiner Weise glücken mit dieser, dem echten Porcellansonst so nahe kommenden Masse, auch die dem letzteren eigene Härteund glänzende Weisse zu verbinden. Was in solcher Masse beschafftwurde, konnte nur farbig geliefert werden. Es bestand, nächst grösserenArbeiten, wie Kacheln, Fliessen u. dergl., aus den verschiedensten Ge-schirren, meist in Form der chinesischen, anfänglich in Dunkelbraun undSchwarz, dann vorwiegend von rothbrauner Färbung, nicht bemalt, son-dern gelegentlich in flach erhobener Art verziert, und entweder so be-lassen oder theilweise mit Gold und Silber geschmückt.

Kurz nachdem die Herstellung des (echten) Porcellans begonnenhatte, noch im Jahre 1710, ward zur Erweiterung des Betriebs dieAlbrechtsburg in Meissen bestimmt, und zu Werkstätten eingerichtet.Sofort nahm unter Böttigers Leitung die Beschaffung grössere Verhält-nisse an, während zugleich jeder Arbeiter sich nunmehr eidlich verpflichtenmusste das Geheimniss zu bewahren. Doch Böttiger selber trat insGeheim mit Preussen in Unterhandlung. Die Sache jedoch wurde ver-rathen, die Untersuchung eingeleitet, und schon stand das Urtheil bevor,als Böttiger von den Lebenden schied.

Auch die Verarbeitung des Porcellans geschah anfänglich vorwie-gend nach chinesischen Vorbildern, die jetzt bis zur Täuschung nachge-ahmt wurden. So auch bewegte sie sich noch hauptsächlich auf demGebiet der Gelassbildnerei. Aber schon unter dem Nachfolger Böttigers,dem geschickten Former Horold, und dann insbesondere während derMitbethätiguug des vorzüglichen Bildners Kandier (seit 1731), wandteman sich der eigenen zeitläufigen Geschmacksrichtung, der Formengebungdes Rococo, und überdies einer Herstellung der verschiedensten Gegen-stände zu. Bereits im Jahr 1730 entstanden so unter anderem, alslediglich plastische Zierstücke, mancherlei künstlich behandelte Thiere,vereinzelt gar in Naturgrösse, noch sonst aber gemeiniglicher, abgesehenvon Gebrauchsgeschirren, in vielfachst wechselnder Durchbildung unter-schiedlich grosse Console, theils mit aufgemalten Blumen; Büsten, Sta-tuetten, Genrescenen, Blumengruppen u. dergl. m.: Alles dies sowohlohne Glasur, weiss, höchstens mit Gold verziert, als auch durchwegbemalt und glasirt. Diese Art der Bethätigung, welche allseitig viel