1346 IV. Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.
Geschick zu bedeutendem Umfange. — Hinsichtlich des ersteren Punktskam es, abgesehen von der Gestaltung als solcher, vor allem darauf an,die Geschirre von Kupfer oder Messing durch eine haltbare Verzinnungimmer tüchtiger zu machen, und die von Eisen besonders, je ihrer Be-stimmung nach, theils inwendig zu verglasen. Die Verzinnungzwar seit länger bekannt, bedurfte noch sehr der Vervollkommnung, sodass die darauf abzweckenden Versuche sich bis über die fünfziger Jahrehinaus fortsetzten. Wurde sie doch auch selbst noch nach dieser Zeitvielfach höchst lässig betrieben, ja in Schweden dergestalt, dass hier seitdem Jahre 1757 der Gebrauch von Kupfergeschirr bei dem Heere ver-boten ward, und ebenso in anderen Ländern, wo sogar, wie in Braun-schweig noch im Jahre 1767, eigene „Verordnungen das Verzinnen desKupfers betreffend“ erschienen. 1 Im Einzelnen allerdings erreichte dasVerfahren bis zu jenem Zeitpunkt eine Vollendung, die mindestens jedeGefahr ausschloss. Noch in den ersten Jahren des neunzehnten Jahr-hunderts versuchte der Apotheker Bindheim die Küchengeräthe, statt zuverzinnen, mit einem Firniss zu überziehen, was sich aber nicht be-währte. Daneben schritten die Versuche in Verglasung, hauptsächlichvon Eisengusswaaren, mit stets glücklicherem Erfolge vor. Es war dieszuerst in Frankreich der Fall, welches derartig behandelte Geschirre,diese zum Theil auch an sich aus einem Gemisch mit anderen Metallen,seit dem Jahre 1740 höchst sauber lieferte. So auch entstand in Paris gleich im folgenden Jahr eine solche Fabrik durch Lemery, die sich so-fort eigens auszeichnete. Die übrigen Länder folgten darin, obschonverhältnissmässig langsam. Erst nach den fünfziger Jahren England,dann Schweden und danach, doch nur ziemlich allmälig, Deutsch-land, wo sich die Fabrik zu Neuwied von Remi und Barensfeld vor-zugsweise bethätigte, sich dann iti den neunziger Jahren auch nochdadurch hervorthat, dass sie zuerst Geschirre lieferte, die weder mitKupfer noch Zinn gelöthet, sondern lediglich mit dem Hammer zu-sammengefügt waren. Ausserdem verfertigte folgends das Gräflich-Einsiedelsche Eisenhammerwerk Lauchhammer in Sachsen vorzüglich„emaillirte“ Küchengeräthe, während nun anderseits Fabrikanten zuBirmingham sich darauf verlegten, die gegossenen Geschirre inwendigmit Porcellan zu plattiren. Im Jahre 1800 erfand der Fabrikant oderTechniker (?) Riemann eine eigene Verglasungsmasse, welche durchkeinerlei Säuren litt.
Zudem aber war es die Blecharbeit als solche, welche sich vorallem aufs vielseitigste und nun auch, folgends unter Mitbetheiligung von
1 Journal für Fabrik, Manufactur, Handlung und Mode. Bd. X. (Januarbis Juni) 8. 109 ff.