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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1352 IV Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

häufiger, in unterschiedlichem, je regelmässigem Gemuster vermittelstLeimung fest belegt. Gegen Anfang der achtziger Jahre erfand in Paris ein Herr Migerron, das Holz dergestalt zu erweichen, dass es sich injede Form biegen und dann, getrocknet, wie gewöhnliches Holz verwen-den liess, ohne sich zu werfen noch Risse zu bekommen, welche Erfin-dung jedoch vorerst nur von ihm selber verwerthet wurde. Nicht vielspäter indessen als diese Erfindung auftauchte, griff, hauptsächlich zuFolge der Erfindung verschiedener Holzlackarten, die Vorliebe fürlackirte Möbel in rasch steigendem Grade um sich, wodurch die Four-nierarbeit, besonders in Betreff kleinerer Geräthe, auf länger hin, bisin den Beginn des neunzehnten Jahrhunderts wiederum mehr in Abnahmegerieth. Schon vordem liebte man es einzelne Geräthe, vornämlichStühle, Sophas, Tische und dergl., unter Mitverwendung einer stellen-weisen Vergoldung, einen weissen (Lack-) Anstrich zu geben. Mit demAufkommen jener Lacke aber, darunter sich der von Herrn Martin inParis , zugleich seiner Politur wegen, des allgemeinsten Beifalls erfreute,kamen derart in Roth und Schwarz behandelte Geräthe auch von grös-serem Umfange, theilweise mit metallenen Beschlägen verziert, geradezuin Mode. Um den Schluss der neunziger Jahre, von da an die Four-nier-Arbeit abermals zu mehrer Geltung gelangte, erfand der KunsttischlerJackson in London , wie man feineren Holzarten, so auch dem Maha-goni, eine schöne rothe Färbung geben und vor dem Verblassen schützenkönne.

Für die (Kunst-) Wirkerei, die Verfertigung vonGobelins, bliebdie Hauptwerkstätte Paris , wo die Arbeit noch stetig an Vervollkomm-nung gewann. Von Bedeutung eben dafür war, dass im Jahre 1735 derglückliche Versuch gemacht ward die Hauptzeichnung, das eigentlicheVorbild, auf durchsichtiges Papier zu übertragen, dies zu zertheilen unddie einzelnen Stücke an die Kette zu befestigen. Dies zuvörderst aufden hochschäftigen Stuhl beschränkend, ward es seit 1749 auch auf demtiefschäftigen Stuhl angewandt. Nächstdem verbesserte Jacques de Vau-casson (17091782), seit dem Jahre 1740 Aufseher der Seidenmanufac-turen, im Jahre 1758 den tiefschäftigen Stuhl dahin, dass der Wirker,um sein Werk prüfen zu können, nicht mehr genöthigt war dasselbe ab-zuwickeln. Im Uebrigen verbreitete der Betrieb sich nunmehr auchnach Preussen, so durch den Herrn De Vignes nach Berlin , sodannnach Wien u. s. w., wie denn unter anderem im Jahre 1763 einesolche Werkstätte auch zu Heidelberg auf dem Schlosse daselbst ein-gerichtet ward.

Auch die Verfertigung von bepressten und theils farbigen Leder-tapeten erhielt sich, wenn allerdings in nur absteigendem Maasse.Eigens Treffliches der Art lieferten, nächst den älteren Werkstätten zu