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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1354 IV* Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

ihre Arbeiten bereits seit dem Jahre 1727 vielfachst, auch von weither,begehrt wurden. Nicht minder gestalteten sich die künstlicherenRäderuhren zu noch mehrer Vollkommenheit. Abgesehen von den man-cherlei mechanischen Künsteleien, die man damit immer noch gele-gentlich zu verbinden pflegte, worin in den neunziger Jahren J. H.Schlüter im Münster -Hochstift und der Baron Johann von Küllmarzu Arnstadt ausserordentliches leisteten, trugen dazu unter anderem haupt-sächlich bei der von dem Uhrmacher Georg Graham (16781751) her-gestellteRostpendel, und die von John Harrison (16931766)im Jahre 1764 gemachte Erfindung desChro nometers, mit welchergewissermassen die höchste Aufgabe in dem Fache überhaupt ihreLösung fand. Bei dem Allen blieben die Uhrgehäuse ein besondererGegenstand des Schmucks. Für kleinere Wand- oder Consol-Uhren be-stimmt, erhielten sie vorerst noch vorwiegend eine Ausstattung in der sobeliebtenBoule-Arbeit (S. 1130), später, unter allen möglichen Formenin dem jeweilig herrschenden Geschmack (s. unten); für eigentliche Stand-uhren aber mehrentheils, zugleich als Umschluss der Gewichte, die Ge-stalt von meist ziemlich hohen schmalen Schränken zum Verschliessen. Bei den Spiegeln und Bildern wurden wie vor die Umrah-mungen schmuckvoll behandelt. So bis gegen 1750 mehrentheils nochin Schnitzerei, gemeiniglich durchweg vergoldet. Danach kam es auf dieSpiegelrahme, ausser von Holz, aus Stücken vod Glasspiegel mit hinter-wärts eingeschlitfenen Figuren, Blumen, Früchten, Landschaften u. dergl.,zusammenzusetzen, und auch, obschon mehr ausnahmsfällig, aus Porcel-lan, stellenweis bemalt, zu fertigen. Die Holzrahmen aber vereinfachtensich und wurden, so vornämlich die zu Bildern, etwa seit den achtzigerJahren immer häufiger nur noch als eine einfache, höchstens unterschied-lich profilirte Leiste behandelt, auch nun seltner durchweg vergoldet,sondern, vor allem für Kupferstiche, schwarz lackirt und nur im Ein-zelnen, gewöhnlich zunächst dem Bilde und am äusseren Rande durchein vergoldetes Rundstäbchen u. A. verziert.

Zu den Geräthen an sich konnte, zu Folge deren bereits viel-seitigster Durchbildung, eigentlich Neues von Bedeutung nicht wohl mehrhinzukommen. Die Gegenstände ala solche blieben, eben den Zweckennach, wesentlich dieselben, höchstens dass wiederum das eine und anderesich den nunmehrigen Bedürfnissen gegenüber, diesen nur noch ent-

1 Hierher gehört auch die Verfertigung von Automaten, die eben jetzteine wahrhaft bewunderungswerthe Höhe erreichte. So insbesondere durchPierre Jacquet Droz (17211790) in dessenSchreiber; durch seinen SohnHenri Louis (geh. 1752) in dem von ihm verbessertenSchreiber, in seinemKlavierspieler, seinenHänden u. s. w.; durch J Vaucanson in seiner Ente