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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1359
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B. Geräth. Möbelwerk im Allgem. (17001750). 1359

und bei den Messern und Gabeln nicht etwa stets nur das Heft, sondernauch bisweilen gar die Klinge. Und an diesen und anderen Kleingeräthen,wie Schälchen, Tassen, Näpfchen u. dergh, setzte sich auch dieNouailher-Arbeit (S. 1115) noch geraumere Zeit hindurch fort.

Nicht viel anders erging es den Trinkgefässen, obschon beiihnen allerdings der Zweck, als auch, sofern sie aus Glas beschafftwurden, der Stoff immerhin bindender blieb. Fortgesetzt wesentlich nurnoch als Humpen, Kelch, Becher und Schale gestaltet (S. 1131), unter-lagen sie der gleichen Formbehandlung eben weniger ihrer Grund-gestaltungen nach, als vielmehr nur rücksichtlich der verzierenden Aus-stattung. In dem Punkte nun aber, worin solcher Behandlung geradesie schon vor Anfang des Jahrhunderts mehrfach vorgearbeitet hatten(vergl. Fig. 384 a), blieben sie denn nicht nur nicht zurück, sondern entfaltetenvon vornherein einen vielseitigsten Wechsel. Ebenso die Giessgeschirre;sie oft ausserdem auch den Grundformen nach, wobei dafür sich über-dies die ihnen zumeist eigenen Henkel, Düllen u. s. w. noch besondersgünstig erwiesen; in gleichem die eben erst fortan allgemeiner sich ver-breitenden Kochgeschirre für Kaffee und Thee nebst Tassen und weiteremZubehör (S. 1135). Als Sch au ess en kämen die Backwerke, folgends

gemeiniglich als hohe ringsum reichmit Zuckergebäck , eingemachtenFrüchten u. dergl. verzierte Kuchen,als die eigentlichen Vorläufer derseit jüngerer Zeit so durchgängigbeliebtenBaumtorten, nahezu aus-schliesslich in Gebrauch.

In Beschaffung des Möbel-werks richtete das Bestreben sichvor allem dahin, die hierbei, seinemWesen nach eben doch kaum ganzzu umgehende bauliche Ausgestal-tung mindestens so viel als irgendthunlich zu verleugnen. Was demsich zumeist willig erwies, wurdedenn auch zunächst in dem Sinne amvollständigsten behandelt. Es warenmithin fortgesetzt die verschiedent-liehen Sitze, die Sessel und Stühlemit und ohne Lehnen, die Langsitze, Sophas oderCanap&s u. s. w.,deren Holz- und Rahmenwerk sich jeder Schwingung fügen musste, unddamit nun auch deren Polsterung, wobei zugleich selbst die Stoffüber-züge in ihrem meist farbigen Gemuster dem ähnlichen Linienspiel unter-

Fig. 412.