13G8 IV- Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.
reich, als hier die Revolution ausbrach. Durch sie ward das Rococo-wesen in seinen letzten Spuren verwischt, und daselbst nun, in seltsamemWiderspruch mit der geistigen Befreiung, statt eines eigenschöpferischenVorgehens, eine fast sclavische Nachahmung der Antike angestrebt. DieBegeisterung für den staatlichen und gesellschaftlichen Umschwung inner-halb des Franzosenthums, und so auch ausserhalb Frankreichs dafür,blieb darauf ziemlich wirkungslos. Doch ohne auch jetzt schon inWeiterem befähigt, das klassische Alterthum seinem wesentlich geistigenInhalte nach würdigen und erfassen zu können, fand dies Bestreben auchein Genügen an einer eben nur mehr eigengelälligen Verbindung von mög-lichst sachgetreu wiederholten rein antiken Einzelformen. Bei dem Allennun hatte jedoch auch dies manchen glücklichen Erfolg, wie denn meh-rentheils in den Fällen, in welchen eine derartige Verbindung hauptsäch-lich nur darauf abzweckte in regelmässiger Anordnung decorativ zierlichzu wirken. So auch gelang es gelegentlich, wie eben zumal bei engstemAnschluss au antike Vorbilder., Einzelnes, so in der Gefassbildnerei vorallem (S. 1336), von wirklich antikem Reiz zu beschaffen. Im Ganzenaber schwächte sich doch an der blossen Nachahmung, zugleich mit derFähigkeit selbst zu erfinden, auch der Geschmack in weiterem Sinnein zunehmendem Grade ab, also dass schliesslich auch innerhalb einersolchen Nachbildung selber, wie nun in der Art der Verwerthung derDinge eine Vernüchterung sich einstellte, welcher kaum mehr zu wehrenwar.
Und in der Richtung ging es weiter, in Frankreich unter demConsulat bis zur Begründung des Kaiserthums. Dennoch blieb in dieserZeit immerhin Jedem mindestens die Freiheit sich, wenn auch eben der-artig gebunden, doch nach eigenem Ermessen mehr eigenthätig zu be-wegen. Mit dem Kaiserthum indessen, wurde auch dem der Stab ge-brochen. Fortan entschied der Wille des Kaisers, und gleichwie der letz-tere, eingelebt in die zeitige Geschmacksleere, aus ihr nur heraus zu be-.stimmen vermochte, erhielt auch die Geräthbildung ein nun durchwegdemgemässes, völlig inhaltloses Gepräge. Es war dies jener trockene,so äusserst dürftige „Imperialstyl,“ der mit fast jeglicher Verleug-nung eines freieren Gedankenschwungs die antike Formengebung zurVerflachung schematisirte und demnach auch in raschem Vollzüge zustarrer Manier ausartete. In dergestaltiger Steigerung äusserte dies sichzunächst in Frankreich , dehnte sich jedoch sehr bald über die anderenLänder aus. Nicht überall freilich fand es sofort, noch folgends, gleicheAufnahme, sondern hie und da je wiederum mehr oder minder eigensbedingt, eine mehr schwankende Ausgestaltung. So unter anderem inEngland unter wachsendem Einflüsse von altgriechischen Formen,in Italien und Spanien durch Beimischung von seit länger aufge-