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Die Pfahlbauten des Bodenseegebietes / von E.von Tröltsch
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Grundrisse der Pfahlbaustationen.

stücke, Waffen, Werkzeuge u. dgl. Dieselben waren aus einemkleinen Baumstamme mit daran befindlichem abgeliauenen schiefenAste gefertigt und an der Wand befestigt. Derartige primitive Auf-hängehaken sind auf dem Lande jetzt noch in Gebrauch, beson-ders in Ställen, Scheunen und selbst in Zimmern, wie sich z. B.der Verfasser in einem Hause in Oberstaufen , im bayerischen Algäu,überzeugte. Aus Robenhausen berichtet Messikomer von dem Fundeines ca. 2 m langen und 42 cm breiten eichenen Brettes, an wel-chem auf einer Seite eine Ecke abgerundet war offenbar eineSitzbank, da die eine obere Seite durch Sitzen abgeschlitfen unddie äussere entsprechende Kante gleichzeitig abgerundet war. InVinelz wie in Schaffis (Pfahlbauten am Bieler See ) entdeckte manUeberreste von hölzernen Tischen und Bänken, die sich imantiquarischen Museum in Bern befinden '). Beachtenswerth ist esferner, dass man an vielen Pfahlbaustellen im Schlamme grössereMengen von Moos fand, z. B. in Turgi (Steckborn ), sowie vonLaub und Stroh; offenbar hat dieses Material als Lagerstättegedient 2 ).

Pfahlbaiistationen.

Grundrisse. Flächeninhalte. Zahl der Hiiuser und der Einwohner. Gassenund freie Plätze. Verbindungs- und Landungsstege, Leitern. Schutzwehren.

Vorrathsmagazine, Ställe und Arbeitsstätten auf dem Festlande.

Wie die Lage und Zahl der Pfahlbaustationen (Seite 10 ff.),so können auch deren Grundrisse und Flächeninhalte nur annäherndmittelst der sichtbaren Pfahlbaureste bestimmt werden; selbstver-ständlich um so besser, wenn sie nicht vereinzelt, sondern ingrösseren Gruppen, wie in Kreuzlingen , Hinterhausen, Allensbach ,beisammen stehen. Die meisten Stationen bestanden vermuthlichbei ihrer ersten Anlage aus wenigen Häusern, die, eine viereckigeGruppe bildend, gleichlaufend mit dem Ufer standen (Seite 16). Alsaber die Bevölkerung sich vermehrte, vergrösserten sich auch dieStationen und es entstanden da und dort neue Wohnhäuser, Ställe,Vorrathsräume u. dgl., die sich an die schon bestehenden Bautenangliederten und zwar nach allgemeinen Bestimmungen ; denn einBeisammensein von vielen Menschen und Gebäuden auf bestimm-tem, noch dazu beschränktem Raume, verlangte eine gewisse Regel-mässigkeit und Ordnung in der Anlage des Dorfes. Doch entstandenauch Unregelmässigkeiten in der Stellung der Häuser u. s. w.; wenn

') l)r. V. Gross. Les Protohelvetes. Seite 21.

2 ) M. A. G. Bd. XXII. Heft 2. Seite 42.