Kulturen!wieklnng der Pfahlbaubewobnev.
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In den hohlen Köpfen der in der Westschweiz vorkommendenSchmucknadeln fand man öfter kleine Bleikugeln eingesetzt 1 ).Bei einigen Schmuck nadeln von Wollishofen dagegen bestanddas Innere aus Zinn , dem viel Blei beigemischt ist. DieselbeStation enthielt 2 kleine kuchenförmige Bl ei klumpen von ca.0,3 cm Durchmesser und ca. 0,15 cm Dicke mit Bronzebügeln. DerZweck beider ist unbekannt. 2 ).
Gold ist selten. In Bodman wurde eine kleine Goldspiralevon ca. 1,7 cm Durchmesser, sog. Lockenhalter, mit einem Bronze-dolchgefunden 8 ). Dieser Goldschmuck ist desslialb von besonderemInteresse, weil er auch in Troja in einigen Exemplaren vorkam, somitzweifellos griechischer Herkunft ist 4 ). Ausserdem fand man in Auver-nier eine Bronzenadel mit Einlagen von Goldplättchen.
Silber ist noch seltener' in Pfahlbauten. Es wurde bis jetztnur in Estavayer an einer Bronzeschmucknadel konstatirt, die inder Mitte des Kopfes mit einem silbernen Scheibchen verziert ist.
IV. Die Entwicklung der Kultur der Pfahlbaubewolmer.
Beginn. — Gewerbliche Entwicklung. — Industrieorte. —- Vergleichung mit derPfahlbaukultur der Schweiz . — Verkehr, Handel, Geld. — Politische Organisation,Gesetze. — Familienleben. — Religiöse Begriffe.
Bekanntlich wurde auf Grund der vergleichenden Sprach-forschung nachgewdesen, dass die Pfahlbaubewohner des Boden-seegebietes arischen Stammes waren und schon bei ihrer Ein-wanderung in Europa alle Kenntnisse mitbrachten, welche dessenVölker im Anfänge der neolithischen Zeit besassen. Es ist fernerunverkennbar, dass sich die letzteren von Beginn ihrer Ansiedlungim Bodenseegebiete in stetigem Fortschritte befanden.
Diese Fortschritte zeigten sich vor Allem in ihren gewerb-lichen Erzeugnissen, welche wir in den Fundlisten dieser Abhand-lung kennen lernten. Schon die Artefakte der Steinzeit hatten all-mählig fast alle Eindrücke des Primitiven abgestreift und stufen-weise sich immer mehr vervollkommnet; einzelne ihrer Produkte,z. B. die textilen und keramischen, überraschen sogar durch denso frühzeitig bewiesenen Geschmack und Geschicklichkeit. Doch
>) M. A. G. Bd. XIX.
s ) M. A. G. Bd. XXII. 31 ff.
J ) Lockenhalter dieser .Art fand man auf dem Stürzei bei Essingen , OA.Aalen. F. B. 1894 II. 2 ff. und bei Gönnersbrunn, C. Schaffhausen. Fundstat.v. Tröltseh, Seite 78. — Scliliemann, llios 1881. Fig. 378. 800. Seite 560 undW. Helbig, das Homer. Epos. 1884. Seite 167.