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Die Pfahlbauten des Bodenseegebietes / von E.von Tröltsch
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Wissenschaftliche Bedeutung der Funde und Fundschichten.

einstigen Pfahlbauwohnstätten liegen, von grösstem Werth 1 ). DieKulturschichten sind nicht überall gleicher Art. Die mächtigstenund daher an Funden reichsten befinden sich an den Stellen, welchein Buchten liegen oder durch Landzungen u. dgl. vor Sturm undWellen beschützt sind. Bodman im Ueberlinger See z.B. besitzt eine60 cm mächtige Fundschichte, die »Rauenegg« in der KonstanzerBucht eine solche von 4050 cm, unter einer ca. 60 cm hohen Schlamm-und Sandschichte liegend, ähnlich wie die in der Bucht von Wangen ,welche 25 cm Mächtigkeit hat. Der Inhalt dieser drei Kulturschichtenbestand bei Bodman aus Bauresten, vielen besonders gut conservirtenHorn- und Holzartefakten, sowie aus Thongeschirren oder Scherben.Von solchen enthielt namentlich auch die »Rauenegg« viele Funde,darunter zwei ganz erhaltene fein ornamentirte schöne Vasen. InWangen fand man Horn- und Holzartefacte, Thonscherben, Geliechtevon Weiden und Stroh, Gewebe von Flachs und viel Vorräthe vonletzterem und von Stroh. In Allensbach dagegen, das ganzoffen am Ufer im Untersee liegt, fand man nur eine 23 cm dickeKulturschichte; in Hegne, ebendaselbst, existirte nur noch in derNähe des Ufers der schwache Ueberrest einer solchen, sonst wardieselbe ganz verschwunden. An diesen beiden Orten sind desshalbdie leicht zerstörbaren Objekte längst durch die Wellen vernichtetund nur die schwereren Steingeräthe zurückgeblieben. In dem fastganz frei gelegenen Obersee besteht fast in gar keiner Stationmehr ein nennenswerther Ueberrest einer Kulturschichte. Bei denauf Steinhügeln erbauten Bronzezeitpfahlbauten, wie in Unter­ uhldingen , gab es keine eigentliche Kulturschichte, da die Fund-stücke zwischen und auf den zusammen getragenen Steinmassenlagen -). Die nördlich und südlich des Bodensees gelegenen Torf-riedbauten, besonders Niederwil und das Steinhäuser Ried,sind durch eine mächtige Torf-, Schlamm- oder Sandschichte ge-schützt gewesen und lieferten eine Menge der bestconservirten Ob-jekte: Niederwil eine Menge Holzschüsseln, das Steinhäuser Riedeine seltene Menge unversehrter oder fast ganzer Thongefässe, man-cherlei Holzartefakte, Geflechte und Gewebe und, wie Niederwil ,viele für die Wissenschaft sehr werthvolle Baureste.

Von grossem Interesse sind die Forschungsresultate in denTrümmern abgebrannter Pfahlbauten, namentlich, wenn auf den-selben wieder neue errichtet wurden. In solchen sind in der Regeldie Kulturschichten der einzelnen Niederlassungen durch eine Lage

') Veröff. II. 31.

3 ) M. A. G. VI. 282.