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Die Pfahlbauten des Bodenseegebietes / von E.von Tröltsch
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46
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Getreide und Xahrungspfkinzen.

chum sanetum) und der kleine Pfahl bau weizen (Triticum vul-gare antiquorum) angebaut. Sie sind die ältesten, schon in derSteinzeit benützten Mehlfrüchte. Bekannt waren auch der Bingei-weizen (Triticum vulgare compactum muticum), die grössere sechs-zeilige Gerste (Hordeum hexastichum densum), die Rispenhirse(Panicum miliaceum L .), die Kolbenhirse oder Pennich (Setariaitalica), der ägyptische Weizen (Triticum turgidum L.). Sein-wenig wurde dagegen gebaut der Emmer (Triticum dicoccum Sehr.).Das Einkorn und die zweizeilige Gerste, der Spelt und Haferkamen erst in der Bronzezeit vor. Unbekannt war der Roggen.Ausser dem Getreide wurde auch der Flachs (Linum angustifolium)von den meisten Pfahlbauansiedlern in vorzüglicher Güte gebautund zu allerlei Geflechten und Geweben verwendet. Auch von ihmfand man in Wangen grosse Mengen verarbeitet und unverarbeitet.

Sämmtliche Getreidearten, auch die Hirse, scheinen Sommer-frucht gewesen zu sein. Das Feld wurde von den Pfahlbauernim Frühling (nicht im Herbst) angebaut und Ende Sommers abge-erntet. Dass die Aecker gedüngt wurden, dürften die in Ställenvon Robenhausen u. a. 0. gefundenen Lager von Ziegen- und Schaf-mist beweisen. Von Interesse ist, dass sich in den Pfahlbautendas kretische Leinkraut (ein Unkraut) findet, welches in denLeinäckern aller Mittelmeerländer vorkommt, sowie die aus Sizilien stammende Kornflockenblume, gleichfalls ein Unkraut in denKornäckern der Pfahlbauern. Damit ist wohl bewiesen, dass auch dasGetreide aus dieser Gegend in das Bodenseegebiet eingewandert ist.

Ausserdem haben die Pfahlbauern auch andere Pflanzen alsNahrungsmittel gebaut, so z. B. die schon in der Steinzeit vor-kommende Erbse. In der Bronzezeit die keltische Zwergacker-bohne und eine Abart der Linse. Von Obstfrüchten gab es Holz-Aepfel und Birnen, Kirschen, Mehlbeeren, Schlehen; auchsammelte man Hagebutten, Himbeeren, Brombeeren, llolder-beeren, Wassernüsse. In Robenhausen fand man eine Anzahlgrösserer Aepfel, was vermuthen lässt, dass diese Art besondersgezogen wurde. Ausserdem scheint der Mohn für Oelbereitung,der Kümmel als Gewürze und der Wau zum Gelbfärben derLeinwand gepflanzt worden zu sein*).

Es ist auch von Interesse, dass von den meisten dieser Nahrungs-und anderer Pflanzen Proben erhalten sind, die in einzelnen Pfahl-bauten, besonders in Wangen und Robenhausen, gesammelt wurdenund sich im schweizerischen Landesmuseum in Zürich befinden;

) M. A. G. VI. 130.