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Die Pfahlbauten des Bodenseegebietes / von E.von Tröltsch
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Speisen.

in Robenhausen ca. 8 Pfund, eine Quantität, die neu gebacken etwa40 Pfund gewogen haben mag 1 ). An anderen Orten traf man zer-riebene Körner von Getreide und Hirse. Wahrscheinlich wurdeauch der Samen von Chenopodium album, den man in Roben-hausen in grosser Menge fand, als Speise verwendet. BreiartigeGetreidereste fand man auch öfter in Kochgeschirren 2 ). Als Ge-müse wurden Möhren, Zwergbohnen, Erbsen und Linsenbereitet. Aus Mohn presste man auch Oel , wie ein in Roben-hausen gefundenes Stück Mohnkuchen beweist. Die grossenMengen Plaselnüsse, die man in fast allen Pfahlbauten fand,lassen ferner vermuthen, dass man auch aus ihnen Oel bereitete. Holzäpfel, die fast überall in Menge Vorkommen, waren ver-muthlich ein gesuchtes Nahrungsmittel; in Robenhausen gab esschon eine grössere kultivirte Sorte. Die meisten Aepfel fand manzerschnitten; wahrscheinlich wurden sie gedörrt und als Winter-vorrath aufbewahrt. Auch Schalen von solchen entdeckte manin Wangen ; vielleicht waren diess Ueberreste ihrer Verwendung zurMostbereitung. Holzbirnen waren dagegen seltener; man fandnur wenige in Wangen und Robenhausen. Hier fand man auch Wald-kirschen, welche in grosser Menge in Haltnau Vorkommen, wo-bei zu bemerken ist, dass das benachbarte Hagnau wegens seinesObstbaus bekannt und der grösste Kirschenort am Bodensee ist.In Haltnau gab es auch Aepfel und Pflaumen, letztere sind ausser-dem nur von Robenhausen bekannt. Auch an Beerenfrüchtenhatte man eine grosse Auswahl: Himbeeren und Brombeeren,dagegen weniger Heidelbeeren, Erdbeeren und Preiselbeeren;bekannt waren auch Schlehen, Hagebutten und Hollunder;Haselnüsse gab es überall in Menge. Käse wurde schon seitder Steinzeit in und ausserhalb der Pfahlbauten aus Milch bereitet.Als Beweis hierfür dienen die mehrfach gefundenen Scherben vonThongefässen, die siebartig durchlöchert waren und heute noch inähnlicher Weise zur Käsebereitung verfertigt werden. DiePfahlbauern würzten ihre Speisen durch Beimischung von Mohn ,wie schon bei der Brodbereitung erwähnt wurde, und von Kümmel ;sie kannten aber auch schon die wuchtigste Würze, das Salz.Diess lässt sich um so weniger bezweifeln, als dasselbe in ganzSchwaben in grosser Menge und Güte vorkommt. Vermuthlich

') M. A. G. IV. 25.

-) Diesen Funden, z. B. am Untersee, entsprechend kann angenommenwerden namentlich gegenüber der geringen Menge von Thierknochen, dassin der neolithischen Pfahlbauzeit vorwiegend vegetabilische Kost genossen wurde.M. A. G. V. 182. Anmerkg.