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Die Pfahlbauten des Bodenseegebietes / von E.von Tröltsch
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Weberei.

Auch die Weberei, welche sich allmählig aus dem Flechtenentwickelt hatte, wurde in vielen Pfahldörfern betrieben. DerenProdukte erregen durch ihre schöne präzise Ausführung unsergrösstes Erstaunen, um so mehr, da dieselben schon in früher neo-lithischer Zeit hergestellt wurden, wie z. B. in Wangen und Roben-hausen '). Das Weben erfolgte auf Webstühlen, wie die anihren früheren Standorten gefundenen Webgewichte aus Thonbeweisen; dieselben waren in Nussdorf (wo 30 beisammen lagen)kugelförmig wie in Wangen ; dagegen hatten die von Niederwil undRauenegg die Form von abgestumpften Pyramiden. An letzteremOrte traf man ausserdem ein bearbeitetes Stück Holz, wahrschein-lich von einem Webstulil. Ganze Webstühle oder mehrere zu-sammenhängende Theile eines solchen fand man bis jetzt nirgends.In der Vorzeit gab es zwei Arten: wagrechte und aufrechte. Erstereim südlichen Asien und Aegypten , auch in Mexiko 2 ); letztere inEuropa und im westlichen Afrika 3 ). Auch bei unseren Pfahlbauernwar der aufrechte in Gebrauch. Diess erwies sich durch die Ver-suche eines in der Textilkunst erfahrenen Technikers in Zürich ,welcher eine überraschend einfache Web Vorrichtung konstruirte,an welcher Thonkugeln als Webergewichte verwendet wurden.Dieser Versuch war sehr wichtig, weil genannter Techniker mitdiesem Webstuhl alle in Pfahlbauten gefundenen Stoffe mit grössterLeichtigkeit herstellte und damit die Aechtheit der gefundenenWebereste bewies 4 ). Von denselben ist das erste Stück einfachegrobe Leinwand, das zweite ein geköperter Stoff, das dritte eineArt Franse; andere Stücke zeigen, dass man sogar Muster zu webenverstand (solche entstanden jedoch schon beim Flechten) (Seite 114).Ausser den in Wangen und Niederwil gefundenen Weberesten sinddie gleichen und noch viele andere in der Pfahlbaute Robenhausen(welche bekanntlich zweimal abbrannte) in den beiden unteren(älteren) Schichten gefunden worden. Man traf dort den Flachstheils in Strängen, theils versponnen, verflochten in Form vonFäden, Schnüren, Netzen, Matten und zu Tüchern verwoben, wiein dem Magazine eines Kaufmanns. Alle diese interessanten Ueber-reste befinden sich in dem Schweizerischen Landesmuseum in

Zürich und sind in dem Catalog von Herrn .Ulrich Seite 117 ff. in

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>) M. Ä. G. IX. 46.

-) Tylor. Einleitung in das Studium der Anthropologie. Seite 205, mitAbbildung eines webenden Mädchens (aus einem aztekischen Gemälde).

8 ) Z. B. in Ischogo; siebe Dr. M. iloernes. Die Urgeschichte des Menschen,S. 137 mit Abbildung.

4 ) M. A. G. IV. Seite 22 mit Abbildung im Text.