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Glätten und Ornamentieren der Gefässe.
Zunächst fertigte man den Boden des Gefässes und knetete dannauf dessen Rand einen wurstartigen Ring und auf diesen wieder,je nach Bedarf, grössere oder kleinere, die man gegenseitig an ein-ander drückte und gleichzeitig mit den Fingern, die sich am bestenzum Formen eigneten, glatt strich; daneben gebrauchte man auchnoch Spateln von entsprechender Form aus Ilolz, Hirschgeweihu. dgl. Vielfache Uebung und Erfahrung läuterten den Geschmackund so entstanden im Laufe der Zeit vollkommnere, schönereFormen.
Das Glätten der Gefässe. Nachdem das Gefäss geformtwar, liess man es eine Zeit lang — aber nicht vollständig — trocknenund glättete es innen und aussen mit geeigneten rundlichen Steinen,deren man z. B. in Nussdorf fand. Ausser diesen gebrauchte manbeim Formen und Glätten auch dreieckige, glatte Steine, wie siez. B. in mehreren Exemplaren in einer prähistorischen Töpferwerk-stätte bei Grossengstingen, OA. Reutlingen, vorkamen ')• Dieselbensind von weichem Sandstein. Waren die Kanten und Spitzendieser Modellirsteine abgestumpft, so wurden sie an einem dabeigelegenen härteren Sandstein von oblonger Form retuschirt, wiedie vielen Kritze an dessen Flächen vermuthen lassen.
Das Ornamentiren der Gefässe. Dasselbe erfolgte gleich-falls, solange das Gefäss noch nicht ganz trocken war, mittels dervorhin erwähnten Modellirsteine; schärfere Ornamente, Stichorna-mente wurden mit spitzen Instrumenten (Knochenpfriemen) einge-stochen, Schnittornamente mit Feuersteinmessern u. dgl. einge-schnitten * 2 ), eingeritzt oder eingedrückt. Ganz im Anfänge undspäter auch noch bei roheren Gefässen geschah das Ornamentirennur mittels der Fingerspitzen- und Fingernägeleindrücke. Späterentstanden, nachdem man zuerst die Gefässe nur mit Punkt- oderStrichreihen verziert hatte, alle möglichen, aus diesen Grundzeich-nungen kombinirte Ornamente: einfache und doppelte Zickzack-linien, das sog. Wolfszalmornament, das Netz- und Bandornament,das Tannenzweig-, Kreis-, und Schnurornament. Letzteres wurdemittels gedrehter Bastschnüre hergestellt, indem man die um denHals des Gefässes gelegte Schnur in den noch etwas feuchten Thoneindrückte. So entstanden allmählig aus den Flachornamenten er-höhte, bald aus Warzen, Zitzen, Wülsten u. s. w. bestehende.
’) Ganz dieselben Steine wurden an vielen anderen Orten gefunden, so belindensieh z. B. viele im Reichsmuseum in Leyden von Hiwerum in Nordholland . Auchauf der befestigten Wohnstätte Stradonic (Böhmen ) fand man solche. Ebenso be-dienen sich viele Culturvölker derartiger Glättsteine, z. B. die Karaiben. —
2 ) A. C. Bl. 1881. X. 141.