IGO
Entwicklung der Bronzefabrikation,
Schwerter und Armbänder u. s. w. mit Eiseneinlage; Bogenfibelnmit geripptem Bügel.
Die grösste Vollendung in Form, Ornament und Technik derBronzefabrikate begann am Ende der mittleren Bronzezeit unddauerte fast bis zum Ausgang der jüngeren. Man nennt nach Desordiesen Zeitabschnitt, der namentlich die prächtigen Armbänder,Schmucknadeln, Schwerter mit Bronzegrifien, die getriebenen Bronze-gefässe, die Verzierung mit Eiseneinlagen u. s. w. umfasste: »Dieschöne Bronzezeit«. Sie ist die Blüthezeit nicht nur der Bronze-industrie, sondern der gesammten Pfahlbauzeit. Ihr Hauptsitz ist inden Pfahlbauten der Westschweiz , in der Ansiedlung von Wollishofen und in Savoyen ; am Bodensee ist sie dagegen nur schwach repräsentirt.
Die Entwicklung der Bronzefabrikation. Es ist selbst-verständlich, dass die Bronzegeräthe, ehe man das Material und dieKenntnisse zu deren Anfertigung besass, durch Import an den Seegelangten oder durch eingewanderte Bronzearbeiter bei uns ange-fertigt wurden. Nachdem aber die Pfahlbaubewohner selbst mit derTechnik und den Formen vertraut geworden waren, begann dieFabrikation einheimisch bei uns zu werden und wurden nur nochdie fremden Fabrikate importirt. — Als Fabrikationsorte im Boden-seegebiete sind erwiesen: Bodmarm II durch ein Bronzegussstück;Unter-Uhldingen durch Bronzeschlacken, Ilaltnau durch eine imGuss misslungene Bronzelanzenspitze, Lindau durch den Fund vonGussformen für Schmucknadeln. Es ist ferner Ackenbach, kaum15 km von Immenstaad am Bodensee entfernt, zu erwähnen, woman Bronzegussstücke, zerbrochene und ganze Bronzegeräthe in einemThongeschirre aufbewahrt fand. — Die Bronzekultur kam, wie dieFunde zeigen, auf friedlichem Wege zu uns und entwickelte sichallmählig, sämmtliche Phasen durchlaufend, ebenso im Laufe derJahre ; nicht aber, wie man früher annahm, durch feindliches Ein-dringen eines fremden Volkes oder durch einen Bevölkerungswechsel.Damit ist zugleich die frühere, irrige Anschauung widerlegt, dasssogar die jederzeit so nöthigen Arbeitsgerät!)e und Waffen aufweitem, beschwerlichem und gefährlichem Wege aus Italien überdie Alpen durch Flandel bezogen wurden. Abgesehen von der Wider-sinnigkeit dieser Annahme entspricht dieselbe auch in keiner Weiseder Wirklichkeit, da die in den letzten Paar Jahrzehnten gemachteneingehenden und gewissenhaften Forschungen 1 ) ergeben haben, dass
') Von besonderem Werth für Entscheidung in dieser Frage ist das neuesteWerk von 0. Montelius , La civilisation primitive en Italic, das auf 20jährigemStudium aller Sammlungen und wissenschaftlichen prähistorischen Werke Italiens und des Auslandes beruht. —