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Die Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden / von Robert Durrer
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259
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Ennetmoos .

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Auch das Drachenloch an der Felswand des Mieterschwandenberges derAllwegkapelle gegenüber steht vielleicht in historischen, nicht bloss sagenhaftenBeziehungen zu den Winkelrieden. Gilg Tschudi nennt nämlich diese angeb-liche Wohnstätte des von Schrutan erlegten Drachen « ein Hüli und ml altGinür, wie mans noch sieht, als ob vor Ziten heidnische Wonungen, oderdie alten Römer (die zu den Ziten Keisers Octaviani, ouch Antonii und Lepididurch Ächtungen in diß Land gewichen) villicht verborgen allda gewesen,dann es inwendig wyt» *). Heute entdeckt man freilich keine Spur von Mauer-werk, auch konnte ich keine künstliche Bearbeitung des Felsens konstatiren.Die Angabe Tschudis, der die Stelle wahrscheinlich anlässlich seiner Studien-reise nach Unterwalden im Jahre 1569 persönlich besucht hat, findet aber ihreBestätigung durch die Mitteilungen alter Männer an Kaplan A. Odermatt,wonach sie zu Ende des XVIII. Jahrhunderts als Hirtenknaben noch Mauer-reste am Eingang der Höhle gesehen und zum Zeitvertreib die Mauersteinein die Tiefe zu rollen pflegten * 2 ). Das Drachenloch liegt ca. 200 m. über derSohle des Ennetmooser oder Drachen-Riedes und ist auf schmalem, schlechtem,aber ungefährlichem Pfade zugänglich. Es bildet eine imposante Grotte, diesich vorn in einem mächtigen, wohl 25 m. hohen und etwa 14 m. breitenBogen öffnet, 16,8 m. tief, in trichterförmiger Verjüngung in den Fels hinein-dringt und im Hintergründe, wo die Breite noch 4,20 m, die Höhe ca. 3 m.beträgt, in einem niedrigen, 3,70 m. langen, anfangs 1,40 m., am Ende nurnoch etwa 50 cm. breiten geradlinigen Stollen verläuft. Der Zugang istauf der rechten Seite durch eine etwa 4 m. lange und 3 m. hohe Felsschrankegesperrt, an welche sich zweifellos die erwähnten Mauern anlehnten. DerBoden in der Grotte steigt im Anfang ziemlich stark an 2,30 m. auf9 m. Länge und läuft dann eben fort; doch mögen sich die Niveauver-hältnisse im Laufe der Zeit stark verändert haben, denn der Boden ist mitSchutt und Felstrümmern übersäet 3 ).

Die Situation erinnert an die Balm bei Günsberg, an Marmels in Grau­ bünden 4 ) und andere Grottenburgen des Mittelalters im Alpengebiet, und ich

wo als zugehörig ein Ried zu Winterhalten (oberen Teil des Galgenriedes, vgl. Siegfriedkarte, Bl. 377)genannt wird, was freilich für die Lage keinen absolut zwingenden Hinweis bildet.

*) Tschudi , Chronicon Helveticum (Ausg. v. Iselin, 1734) S. 146.

2 ) Mündliche Mitt. vom *) Kaplan Odermatt an mich.

3 ) Eine hübsche und relativ getreue Abbildung bietet ein kolorirter Kupferstich, 32 , 8 X 2 3 ? 2 vonca. 1780, bezeichnet: Vue de la Caverne du dragon dans le canton d' Unterwalden, dediee ä S. A. S.M®e La Princesse de Nassau Weilbourg, nee Princesse dOrange par son tres humble et tres obeissantserviteur R. Häntzi. Wolf pinxit. Decourtis sculpsit. Se vend ä Paris chez M. Graff, rue desDeux Portes S* Sauveur et chez M. Decourtis, rue des Grands Degr6s No. 26. Mauerspuren sind aufdieser Abbildung nicht mehr erkennbar.

4 ) Vgl. über Balm Rahn : Die mittelalterlichen Kunstdenkmäler des Kts. Solothurn , S. 11 ff. und überMarmels denselben im Zürcher Taschenbuch 1897. S. 119 f. Die Tiefe der Höhle von Balm ist viel geringerals beim Drachenloch, nur etwa 8 m. Die Dimensionen von Marmels sind dagegen unvergleichlich grossartiger*