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Die Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden / von Robert Durrer
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460
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Rotzberg. Sächseln

Auf ein Vorwerk der Burg deutet der Name «Wartbüel», der im Jahrei486 an der unterliegenden Bergterrasse haftete, welche die Zugänge vonStans und Ennetmoos beherrscht und über welche der einzig mögliche Reit-weg zur Höhe führte.*)

Sächseln.

Pfarrgemeinde, Obwalden . 1 2 )

Die Kirche des h. Theodul ist in der offiziellen Reihenfolge die dritteObwaldens . Sie scheint 1234 schon bestanden zu haben, da ihr um dieseZeit Wernher v. Sächseln den Zehnten von seinen Fruchtbäumen vergabte. 3 )Im Register der Kreuzzugsteuer des Bistums Konstanz 1275 erscheint sieals die ärmste Kirche der Urschweiz. 4 ) Ihr Stifter ist unbekannt. Beromünster ,dem der Hof Sächseln ums Jahr 1100 von Graf Ulrich von Lenzburg ver-gabt worden, erscheint nie im Besitz des Kirchensatzes. Aber ebensowenigerscheint sie in den Quellen der zu Sächseln begüterten Stifte S. Blasienund Murbach-Luzern, insbesondere fehlt sie nominell unter den Kirchensätzen,die 1291 von Murbach an Luzern übergingen. 5 ) Später jedoch stand sie wiedie dort genannten Kirchen von Giswil und Alpnach im Besitz des Erzhauses.Da Sächseln ein Hauptsitz der direkt unter dem Landgrafen stehenden freienBevölkerung war, dürfte vielleicht diese Kollatur mit den Grafschaftsrechtendirekt von den Lenzburgern an Habsburg gekommen sein oder sie vererbtesich an die wahren lenzburgischen Erben, die Grafen von Kiburg , kam andie habsburgische Linie der Kiburger und gelangte erst später auf unbe-kannte Weise an Österreich . Für letztere Annahme dürfte die Tatsache

1 ) i486, 29. September. Eis Rengger verkauft mit Willen ihres Vogtes Arnold Winkelried undihres Tochtermanns Hans Rosacher um 300 n an Hänsli v. Horlachen den Ältern ihr «eigen güd, sogelägen ist in der ürtty zu Oedwil und man nämmen ist der WartMil, stosd fürhar an den hinderen Rotzbärgund an Aerni Sünders hostad und an sin sumerweid, als es mich ouch ankomen ist von Aerny Meierminem elichen man . .. darzü den harnisch so zu dem gut gehördt, desglichen dye küfüren so uff demgüd stand» (Vidimus vom 29. Oktober 1539). Gült der Kirchenlade Beckenried, verzinslich auf Dr.Etlins vorderem Rotzberg . Zur Lage vergleiche Topogr. Atlas, Blatt 377, Punkt 565. (Der NameVorder Rotzberg steht dort fälschlich am Abhang statt auf dem Plateau.)

-) Vgl. die «Geschichte der Pfarrei Sächseln» von Pfarrhelfer A. Küchler Gfd. LOT, 24396.LIV, 227353, LV, 37123. Verdienstvoll als eine reiche Materialsammlung, leider voller Druck-fehler, in den Folgerungen oft etwas dilettantisch und bezüglich der ältern Zeiten mit Vorsicht zu be-nützen.

'*) Vgl. oben S. 260, Anm. 4 ).

4 ) Liber decimationis cleri Constantiensis pro papa. Fol. 89 ed. Heid im Freib. DiözesanarchivI, 1 ff. und Gfd. XIX, 165 ff. Der Leutpriester von Sächseln gab nur 30 ff Einkommen, was anandern Orten ein Helfer, an, dagegen die Leutpriester von Giswil 32 ff 10 ß, von Sarnen 45 ff, vonLungern 50 ff, der von Buochs 73 ff.

5 ) Vgl. öchsli 1 . c. 240/41 und Regestenanhang.