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Sarnen.
Vorlage der Verena Zoller in einem 1480 datierten, etwas kleinern gewirktenTeppich das Landesmuseums erhalten * 1 ).
Das Werk blieb mehr als zwei Jahrhunderte lang im Mannsstamm derFamilie Zoller.
Im Teilrodel, der am 18. August 1690 über die Hinterlassenschaft des1659 gestorbenen Quartierhauptmann und Landvogt Jos Zoller, nach dem Todeseiner Witwe Katharina Escher (f 20. Juli 1690), aufgestellt wurde, findet sichfolgende Erwähnung: «Die zwei gewürckten Aufschlag betreffend, da autdem einten etliche Voriilder auf Christum, auf dem anderen Jegereien undFischereien etc. repraesentiert werdend, gehörend nach alter Gewohnheit beidenSöhnen zu und werdend in dem Hus, welches dismahlen Jr. Lütenant zustendig,aufbehalten > 2 ).
Erst nach dem Erlöschen des Mannsstammes, fiel das Stück 1767 beimTode der Witwe Hans Heinrich Zollers, Barbara Keller, an deren TochterBarbara, Gattin des Obervogts Joh. Heinrich Bühl von Stein a/Rh. und wurdevon selber «nebst vielen anderen Sachen> im Juni 1785 dem Buchbinder Kon-rad Däniker verkauft 3 ). Die seitherigen Schicksale bis zum Auftauchen inSarnen sind unsicher. Sehr vage Traditionen weisen auf Rheinau hin.
Ein zweites Textilstück des Kollegiums Sarnen ist indischen Ursprungs:Die Hälfte eines brodierten Baumwollen(?)-Gewebes von ursprünglich roterFarbe mit prächtig stilisierten Tieren: Löwen, Greifen, Drachen, Elefanten,Antilopen, Rehen, Büffeln, Zebus, Moschustieren, Ebern , Füchsen, Mäusen,Straussen und Riesenschildkröten, sowie Jägern zu Pferd, auf Elefanten undzu Fuss. Es mag aus dem XV. oder XVI. Jahrhundert zu datieren sein undist wohl, um als Antependium zu dienen, der Länge nach entzwei geschnittenworden. Die heutigen Masse betragen 3,15 auf 1,23 m. (Fig. 441 gibt dielinke Hälfte des Fragmentes.)
frauen gebohren, uns armen sünder mit seinem tod und blutvergiessen von dem ewigen tod erlöst undunser aller einiger ewiger Heiland worden syge und damit das recht verstanden werde, will ich redelichvon allen stucken bericht geben. — (Hier bricht die Kopie ab).
1 ) Ausgestellt im Raum 25 (Ötenbachzimmer). Die Herkunft dieses Stückes, das drei Stifter-figuren, eine männliche und zwei weibliche mit dem Wappen Irmensee und einem zweiten, bisher unge-deuteten zeigt, schwankt nach den Büchern des Landesmuseums zwischen dem Kloster Fahr und derh. Kreuzkapelle zu Lachen. Die Darstellung des Hortus conclusus mit all seinem Beiwerk ist übrigensauf mittelalterlichen Textilien häufig und steht auch für das nachreformatorische Zürich in dem Zoller-schen Teppich nicht vereinzelt da. Das Kunstgewerbemuseum in Berlin besitzt eine solche Leinwand-stickerei mit den Wappen des 1554 vermählten Ehepaares Gerold Meyer v. Knonau und DorotheaEscher (v. Luchs ).
2 ) Stadtbibi. Zürich , Ms. J. 144.
3 ) P. Ganz y Zürch . Teilrödel, Zürch . Taschenbuch 1900, S. 238, Anm., wobei im ersten Satzebezüglich des Nachlasses der Frau Katharina Zoller geb. Escher das Datum 1785 in 1690 zu korrigierenist; das Datum 1785 kann sich nur auf die letzte Transaktion beziehen. Über die genealogischen Verhält-nisse vgl. 1 . c. Ms. J. 143. Der Teppich hatte sich seit ca. 1561 in gerader Linie durch sechs Generationenvererbt.