84 Von dem Heiligen Gallo /
Cap. 6 .
S (Mmfind?» durch(GöttlicheAnleitungein Orthzur Wol),nung tnD^rWüste.
Wie er dift
Wohnung
gegrüßt.
Was fürgute Kund,schafft ermit einemBaren ge-macht.
Morgens vor Sonnen' Aufgangversähe sich der Ritter GOttes / nachBefelch seines Führers ausdenWeeg/folgte dem : und als sie den gantzenTag herum gezogen/ spräche der Dia/con um die neundte Stund: Vatter esist essens Zeit lasset uns mit Wasser /und Brod uns etwas erquicken / damitwir weiter fortkommen mögen / S. Galtaber antwortet / thue nach deiner Noth-turfft / es solle mir nichts in Mundkommen / biß GOtt mir den Orth mei-ner Wohnung kundbahr machet. Da-rausdcr Diacon/ wie wir Gemeinschafftdeß Leydens haben / also wollen wirauch deß Trosts geleben. Auf diß Ge-spräch setzten sie weiter fort / kamen anem Wasser Steinache genannt / in demhinaufgehn/ krassen sie ein Felsen an/daraus daß Flüßlein mit Gewalt ent-springt / in welchem sie vil Fisch erse-hen / wursten sie ihre Netz aus / undhaben derer vil gefangen ; ein Feurge-macht / darbey S. Hall die Fisch ge-bratten / und Brod darneben / gelegt.Weil er aber / sein Gebett zuverbrm-gcn / von dem Diacono sich etwas ab-gesondert / bleibt er mit einem Fuß indem Gestreuß hangen/ und fall aufdieErden : diß erficht der Diacon / eyle-te zu ihme / wolte ihm helffen. S.Gal^aber künfftiger Dingen vorwissent/sagte ihm : lasse mich bleiben / daß istmem Rast zu ewigen Zeiten / da willich wohnen / dann ich habe die auf-serwöhlet. Nachdem er vom Gebestaufgestanden/ nimt er ein Stecken vonemer Hafelstauden / macht ein Creutz /steckts in das Erdreich/henckt einCap-sel oder Schachtelein daran / voll vonHeylthum/etwas von der HIungfraukMarrä Gewand oder Haußrath / auchvon S. Mauritio / und Desiderio : dadiß geschehen / ruffte er seinem Weeg-weiser / und knyeten beyde zum Gebettnider. In dem gieng die Sonnen ni-der / siengen an zu essen was sie bey-sich Hütten / und giengen ein kleme weilzu ruhe. S. Gallus als er vermeintesein Gefährt were entschlaffen / ist eraufgestanden/ legt sich mit ausgestreck-ten Armen auf die Erden für das er-zehlre Creutz/ und begehrte von GOttBeystand zu seinem Vorhaben. Hier-zwischen zöge ein Bür von dem Bergherab / äse die Brosamlein / welche ih-nen in Abendmahl entfallen / fleißigauf: da S-Gallus den ersehen / sag-te er dem Baren : Ich gebiete dir inNahmen deß HErrn / nimme Holtz /und trage es in das Feur. Das Wildwendet sich in dessen Befelch / tragtein sehr starck Holtz herbey/ und wirfftes in das Feur; S. Gallus gehet zuseiner Laschen / gibt ihm ein gantz
Brod daraus / und spricht: In Nah-men unsers HErrenIEfu Christi / ent-lasse difes Thal / erhalte dich in denBergen / und Bühel / der gestalt /daß du weder Menschen Noch Viehebe-leydigest. Sein Weegweiser lasset sichmitler weil an / als ob er schlieffe / saheaber wohl/ was der heilige Gallus mitdem Baren handelte; stehet auf/ fal-let S. Gallo zu Fuß / sprechend: Jetztbin ich vergwisset / daß der HErr beydir ist / dann dre wilde Thier dir auchunderthünig seynd.
Als der Tag angebrochen / sagte S. c * P . ?•Gallus : Mein Sohn ich bitte dich / Vermißweil der HErr uns hat lassen finden / Jj* A'Awas wir gesucht : lasse uns auch disen M D rrTag hier verbleiben; nimme das Netz/ Midnufgehe zu dem Gumpffen/ aufdaß ehist willich dir nachkommen / hoffe GOtt wer-de uns benedeyen/ daß wir etwas fan-en / und unserm Vatter nach Arbonringen. Der Diacon folget; Als eraber das Garn in den Gumpffen werf-fen wolte / stehen zween böse Geister ittWeibsgestalt/ gantz bloß / als wollensie baden / erhuben Stein als ob sieihn wollen werffen / thaten es auch /und schryen: du hast disen Mann in di-fe Wildnuß geführt / welcher uns alle-zeit zuverbannen pflegt : darauf derDiacon von dannen dem heiligen Gal-lo zugeloffen / erzehlet deme was er ge-sehen / und gehört. Da haben beydesich zum heiligen Gebett begeben / undder heilige GalluS hat gebetten/ er sol-le dise böse Geister diß Orths abtrei-ben / zu grösser Ehr und Erhöhungsei-nes heiligen Nahmens. Aufdiß schrit-teu sie wider zu dem Wasser / da ha-ben sich die Trüffel alsbald auf den näch-sten Berg verfertiget/ denen schrye derheilige Gallus nach: Ich gebiete euch/ihr Gefpünst / durch den Gewalt derHochheiligsten Dreyfaltigkeit / verlas-set disen Orth/ und weichet auf die ödeBerg. Darauf liessen sie ihre Garn indas Wasser / und siengen Fisch : Alssie dise heraus gelesen / höreten sie eingroß Geschrey auf dem Berg / gleich-sam ob zwey Weiber ihre Todten be-weineten / diß lauts: Ach was thun wir /oder wo solle wir hinaus ? diser Frembd-ling verjagt uns von den Menschen /in der Wildnuß will er uns nichts ge-statten : Nicht allein dises mahl ist dißGeschrey erschallen / sonderen es ist nochwohl dreymahl gehört worden. Alsder Diacon in dem Forst dem Wildnachgieng / fragt der Teuffel vor demBerg Himmelin genannt: Ob der hei-lige Gallus noch in der Wildnuß seye/oder abgezogen? Wie der heilige Manndas Thal durch gienge/ und besichtig-'
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