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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist, ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen, oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einen Zusatz der Heilig-Sprechung des Heil. Bruder Clausen/und Heiligen Martyrer Fidel, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen / zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den Ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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Von dem Heiligen Fintano/

raus zustiehen / und erstäche den Vat-ter S- Fintani. Mit diser That wä-re der Fürst noch nicht begnüget/ such-te auch S. Fintanum mit gleicherWeiß zufangen/ undzuerschlagen; S.Fintanus wehrete sich mit den (einigenritterlich / daß der Feind ihne wederfangk noch erschlage kotiten; sonder ausGöttlicher Beschirmung / mit wenig /und geringen Wunden / durch derFeinden Läger käme / da hingegen seinleiblicher Bruder auf dem Platz todtverblibe. Aber durch solche Tyran-ney/ Mord/ und Brand war derKrieg nicht außgericht/sonder war täg-lich zu beyder seits vermehret / biß end-lich die Freundschafft/ und andere ho-he Häupter sich in die Sach legten / einFriden traffen / und dem TyrannischenHertzogen auferlegten/ dem Gottseeli-gen Fintano für seines Vatters undBruders Todt/ und andern zugefüg-ten Schaden ein grosse Summa Geltszugeben/ und zubezahlen. Der Ty-rannische Hertzog aber besorgte sich / esmöchte St. Fintanus zubegebner Ge-legenheit/ seines Vatters/ und Bru-ders Todt an ihme rechen / gedachtedeßwegen in selbigem Jahr einen heim-lichen Verstand mit den Norttmannernzumachen / daß sie S. Fmtanum fan-gen/ und über Möer führen sotten. Zudisem End berußte gemelter Hertzog /under dem. Schein der Freundfchafft /S. Fintanum zu einem stattlichen Gast-mahl an ein lustiges Ort/ nicht ferrnvon dem Meer. Fimanus der nichtsarges gedachte/ erschine an bestimmtemOrt / und Zeit / da man aber mittenin der Mahlzeit frölich/ und guterDing war / fielen die bestimmten Nortt-mannermit Gewalt in die Behaußung/nahmen den unschuldigen Fintanum ge-fangen / und führten ihn in das Läget.Weil aber ihr Herr und Hauptmannnoch nicht willens wäre/ auß Schott-land übet Meer in die Norttmanndeyzuschiffen/ verkauffte er Fintanum ei-nem andern Befelchshaber/ diferdemdritten/ und der dem vierdten.

Wie nun St. Fintani HerrensSchiff zubereit/ und mit seinen Gefähr-ten versehen war / führe er mit feinemgefangnen Fintano auf Norttmannienzu/ aber mitten auf der Reiß/ begeg-net ihnen ein Schiff auß Norttmania/die ihre Landsleuth fragten/ wie es inSchotten/ und Hyherma mit demKriegswesen em Beschaffenheit härte( der da fragte / und in St. FintaniSchiff stiege/ war der Söldner/ soS.Fintano femen Vatter/ und Bruderumgebracht/ darum S. Fintanus er-grimmet den Söldner erstochen/ und

hat also Fintanus seines Vatters/undBruders Todt gerochen ) als nun diseSach zu einem starcken Meerstreit kä-me/ und beyderseits sie einander starckangriffen/ erhielt S. Fintanus beyGOtt/ durchsein andächtigesGebett/und treue Ermahnung/ daß seinesHerrn oder Hauptmanns Schiff/ undClaßis mit wenig Schaden glücklichdarvon kommen. Des genösse St.Fintanus / und war bald auß den ei-sencn Banden geschlagen/ frey und le-dig gelassen/ und als sie in die InsulenOreades angelangt / wäre auch nebenandern S. Fintano in das Land zu-steigen / die Insul zubesichtigen / undsichzu proviantieren/ vergunnet. A-bcr Frntanus achtete des Leibs Belu-stigung wenig/ sonder gienge in derInsul hin - und her / und suchte Gele-genheit/ mit Göttlicher Hilff von derGefängnuß des Norttmanischen Jochssich ledig zumachen ; kämme lerstlich zueinem grossen holen Stein/ daran daswilde Meer die Wellen täglich schlüge/under disem Stein und Höle verbär-ge sich S- Fintanus mit grossen sorgen/damit er nit von seinen Feinden gefun-den / oder von dem wütenden Meer ü-berrogen / und verschlundk wurde. Wol-ke sich doch lieber dem wilden Meervertrauen / als wider in seiner FeindenHänd fallen/ die ihne mit allem fleißsuchten/ um und aufdem Stein/ aber. sein Heyland IEsus Christus verbär-ge seinen Diener daß ihn tue Nortt-manner nicht finden könnten / und be-wahrete ihn auch ein Tag/ und Nachtvor gewaltsamme deß wütenden Meers /und vor Hunger/ und Durst.

An dem nachfolgenden Tag/ alsdie Norttmanner auf einer feiten derInsul ihr Läger härten / das wilde /und ungestimme Meer sich gesetzt/ undvon dem Stein/ darunder der Heil.Mann Fintanus verborgen lag / gewi-chen/ kruche der H. Mann herfür aufallen vleren / dann auß Forcht seinerFeinden dörffte er nit aufrecht daherwandten. Als er nun also z. Tagherum gekrocken/ und gesehen daß dieInsul mit dem hohen Meer allerseitsumgeben wäre/ auch unmöglich hinaußzuschwimmen/ wegen Leibs - Schwach-heit / erlittnen Gefangenschafft/ undMangel der natürlichen Nahrung /son-derlich weil er sich nur mit rauchen/undungewöhnlichen Kräutern / und Wurtz-len ernehren müßte; da fande er an demz. Tag die wilden Meerfifch/ und grosseDelphin an dem Gestadt sich erqurcken /und in dem Sand herum weltzen/ rüs-te derhalben auch zu GOtt mit andäch-tigem Hertzem/ sprechende : O GOtt