Buch 
Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist, ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen, oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einen Zusatz der Heilig-Sprechung des Heil. Bruder Clausen/und Heiligen Martyrer Fidel, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen / zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den Ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
Seite
121
JPEG-Download
 

Aus Schottland Beichtiger. irr

mein Herr/ und Erlöser/ der du disewilde Mcerfisch / und den Menschenerschaffen / ihnen das Meer durch zu-wandern vergünstigt / uns Menschenaber den Erdenkreiß zubetretten bewil-liget hast/ komme mir in diser Noth /mit deiner unaussprechlichen Barmher-zigkeit zu Hilff/ dann zu diser Stundverlobe ich mich/ mit Leib und Seel/die Tag meines übrigen Lebens dirzu-dienen/ alle weltliche Ding zuverlassen/mein Vatterland nicht mehr zu betret-ten / der beyden H. Aposteln / und Him-mels-Fürsten Ruhestatt zu besuchen/AkH und mich deinem Göttlichen WillenjJjN« gantz zu ergeben. Nach disem getha-E auff neu Gelübd / gienge er mit seinen an-gethanen Kleidern in grosser Hoffnungund vestem Glauben rn das Meer / undführe glücklich / und ohn grosse Mühe/und Arbeit darüber an ein sichere Land-schafft / und das; sich zum meisten zu ver-wundern / so waren seine Kleider alsohart und erstarrend erfunden worden /daß er darauf darvon führe/ als fasseer auf einem dicken Brett. Wie er nunzu Land kommen / und GOtt dem Her-ren seiner wunderbarlichen Erledigung/und glücklicher Schiffahrt ohn Schiffgedancket; stige er auf einen hohen Berg/Dörffer/ und Häuser zu ersehen. Amz. Tag sahe er etliche Menschen/ denener zueylte / und befände daß sie alleChristen waren. Die ihn dann auchfreundlich empfiengen/ und in die näch-ste Statt zu ihrem Bischoft/ so in In-land gestudiert/ und derselben Sprachwohl erfahren wäre/ führten. DerBischoff empfienge den Heil. Finta-num freundlich / und beherbergete ihnr bey zwey Jahren.

S..

Als nun die 2. Jahr herum geflos-sen/ nähme ihm S. Fintanus für/seinversprochen Gelübd gen Rom zu voll-ziehen/ und nach genohmnem Urlaubvom Bischoff/ zöge er mit etlichen Ge-fährten in Franckreich gen Turon S.Martini Bischoffs Grab zubesuchen.Von dannen zöge er zu Fuß durchFranckreich / Deutschland / Lombardey/Italien/ nach Rom/ verrichtete seynWallfahrt mit sonderer Andacht/dan-cketeGOtt/und beydenHimmels-Für-sten/ und Apostlen Pekro und Paulo/*><*6 sie in auß so vilen / so wohl Leibsund der Seelen Gefährlichkeiten erret-tet / und erlediget hatten ; und endlichbefähle er sich ihnen auch inniglich/aufvüß er ftit,e überige Reiß/ und Lebennützlich zu Göttlicher Ehr / und seinerSeelen Heyl verschliessen/ und secliq-uch enden möchte. Zöge darnachwlderum m das Teutschland/ in die>-ydgnoßschaffc / nicht weit von RheinP. F. Murer, Die H. Schwein.

zu Grass Wolvenum von Kyburg/ unddtenete ihm im Priesterlichen Stand4. Jahr/ nähme auch täglich in An-dacht/Fasten/ Wachen/Betten/undallen Tugenden starck zu. Weil aber S- Flvda«das Gottshauß Rheinau um dije Zeit tB*grossen Schaden von feindlicher Hand/ JL e «Äund Verstvhrung gelitten / auch dieKlösterliche Zucht/ und Disciplm inei-einen mercklichen Abgang gerathen/ be-redte der GraffWolvenus von Kyburg(welches Vatter Wolfenardus/ einStiffter des Gottshauß Rheinau ge-wesen ) St. Fintanum/ daß er in sei-nem Kloster den Orden S. Benedictiannehmen / die Regul/ und Disciplinwiderum aufrichten solte/ so wolte derGrass das seinige mit zeitlichem Gut /und Aufbauungdes Gottshaußes auchthun. St- Fintanus bewilliget gern/im Jahr deß Herrn 820. Seines Al-ters 51. Jahr in dises H.Merck/ weiles die Göttliche Ehr/ und deß Näch-sten Seelen-Heyl antraffe. Kämeins Kloster/ und nähme den Ordenan. Da er nun 5. Gantze Jahr in

dem Gottshauß vil Nutz geschasst/undsich selbsten seinen Mitbrüderen einFromm / und Exempel deß Geistr undKlösterlichen-Lebens fürgestellr/ hat-te / war er entzündt ein strangers undvollkommners Leben für die Hand zu-nehmen. Deßwegen ruffte der H.

Mann / mit eyfferigem/ und innbrün-stigem Hertzen zu GOtt/ daß er ih-me seinen Willen offenbaren wolte / ober sich solte in ein abgesönderres Ortverschliessen / und in dem Einssdler stand/sein Leben zubringen : Da hörte er aufein Zeit ein solche Stimm von Him-mel kommen : Fintane von GOtt wirddir erlaubt / anderer Heiligen Fuß-stapften nachzufolgen

Also / mit Erlaubnuß seines Abts / c&p. §.schlusse er sich in ein abgesönderte Cell/und Einöde / und liesse sich ein gantzesJahr mit einem vierdtcntheil eines Con-ventbrots täglich begnügen. In demandern Jahr aber / wolte er nicht mehrBrod täglich brauchen/ als von demobgesagten vierdtentheil/ den halbentheil. In dem 3. Jahr hernach wol-te er nicht mehr brauchen für sich alsden drittevtheil von einem vierdten-theils des obgemelten Brods / das ü-brige gäbe er den Armen. Nach sogrossem Fasten/ und geringer Speiß /siele der H. Mann in einen unnatürli-chen Hunger/ daß er ihme selbst einbil-dete/ er wolte mehr als ein Brod ü-her einmahl essen mögen/ und das ge-schahe aus Gt. Patricij Festtag. Weilaber St. Fintanus vermerckte / daßdtses ein teuflische Versuchung war /