Buch 
Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist, ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen, oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einen Zusatz der Heilig-Sprechung des Heil. Bruder Clausen/und Heiligen Martyrer Fidel, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen / zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den Ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
Seite
438
JPEG-Download
 

4?s Von dem seeligen

Zucht / dek strengen Carthäuser gelehrnthatte. Er begnügte sich mir gerin«.gem 2 lllmusen der umwohnendcnLands-^eirh/ und hernach auch der Bürgernvon Lucern / nähme feinen T runck vemfür überfliessenden Bornnquell / seingröste Zett deß Tags / und Nachtsbrachte er in andächtigem Gebett/undBetrachtung göttlicher Geheimnussenzu. Er war eines eingezognen Le-bens/ und redte nit vil/ also daß ergantz nichts (gleichwohl oft befragt )oftenbaren wolre von seinem vorigenStand/ Thun / und Wandel/ Her-kommen/ und Vatterland/ als alleinfeinen angebohrnen Lauffnahmen-SeinLlgerstatt war der harte Felsen in derHole/ zu einer seilen erhöhet als einBanck/ für das Haubtküssen brauchteer einen harten Stein / oder höltzinenKlotz. Von seiner Höle/ und Woh-nung gieng er nicht bald aus/ es tribeihn dann die grosse Armuth/ und derH. Gottsdienst in die Stadt / oderumligende Dörffer / welches dann ei-nen wahren Einsidler bey GOtt/ undden Menschen wohl ziehret / und dar-durch gegen ihme selbst ein grosse Lie-be erweckete.

e>?.4- Derowegen als die Wohlcdlen /und alre Geschlechter von Weyl zu Lu-cern / denendaS gesagte Bürg / Waid/und Wildnuß von ihren Vorfahren he-ro zu gehörig war/ den geistlichenEy-ftr/ und wahren Einsidlischen Standdes Br. Hansen gesehen/ haben sienicht allern ihme einen bequemen Platzzu einer CapeUen / nach seiner bestenGelegenheit m ihrem Holtz / und Wild-nuß des gesagten Pilati- Bergs zucr-wöhlcn erlaubt/ sonder thaten auch all-da zu mehrerer so wohl seiner/ als sei-ner Nachkömmlingen Andacht zu er-wecken/ die meiste Hilff/ daß ein schö-ne Capell zur Ehr GOttes/ und sei-ner Mutter Maria um das Jahr 1500.erbaut wurde. Nach disem räumteder Br. Hans den Platz nach/ undnach von allem Gestand/ und Wild-nuß. Dargegen thäte Fr. Anna Fee-rin mit ihrem Ehegemahel H. Jacobvon Weyl / damahlen Schultheiß derStadt Lucern / die meiste Handrei-chung mit Gelt/ und Rath / daß dieCapell in dem gesagten Jahr erbauetwurde. Deßwegen dise 2 . Eheleurhfür die Stifftcr diser Capellen biß aufunsere Zeit allwegen gehalten worden.Daraus nach Weyhung diser Capellen /so im Jahr 1504. durch Herren F.Balthasarum/ Prediger-Ordens/ Bi-schoffzu Troia/ und Weychbischoff zuCostantz/ in dem Augstmonat gesche-hen/ als er auch die Capellen St. Ma-

Brudtt Hansen/

ria Magdalena in dem Ranfft in Un-derwalden bey Br. Clausen / und beyBr. Ulrich weyhete/ verleyhete IhrPäbstl. Heiligkeit Julsi U. Legar inder Eydtgnoßschafft / der hochwürdigeHer: Raimunbus Cardinal St. Ma-ria Novä in gesagtem 1504. Jahr aufbestimmte Fest - und Sonräg den Weib/und Manns - Persohnen so dise Capellmit Andacht besuchen werden 100. TagAblaß/ welches auch im 1512. Jahr/aus den 21. Martij beschehen. Wei-lers bestattigt / und vermehrte der hoch-würdig Herr Matthäus von SchinenBischoff in Wallis/ und der H. Rö-mischen Kirchen Tituli S. Potentia- Cardinal/ und Legat in dem Schwei-tzerland/ von welchem geistlichen Ab-laß / und andern Stifftern in Beschrei-bung der Klöstern Helvetia mehr ge-sagt wird.

Nach Erbauung mehr gesagten c»p- *Capellen/ und erlangtem grossen Gna-den / und Abiaß / fnhrete unser Ein-sidler ohn allen zweiftel noch vil ein voll-kommeners/ und strengers Leben mitBetten/ Fasten/ Wachen/ und geist-lichen Übungen / sonderlich weil er nun-mehr zu einem hohen Alter kommen wä-re/ und sein Sterbstündlem herzu zunahen vermcrckte. Dieweil aber unsvon seinen geistlichen Übungen nichtsbewußt / vil minder was für heylsameLehren/ und Exempel er seinem umli-genden Landvolck gegeben / lassen wirdrses fahren / und wollen allein mel-den/ daß nachdem der seeligeBruderHans jetzt 26. Jahr in diser Einödeandächtig/ und gottseelig gelebt/auchüber die 60.Jahr alt worden/ begehr-te er nichts mehr von GOtt / dann daßer von drser Welt scheiden/ und mitdem H. Apostel Paulo aufgelößt möch-te werden/ mit GOtt seinem Herrnzuleben. Welche Bitt er endlich auchgewehrt wurde/ dann im Jahr 1516.fiele er in ein tödtliche Kranckheir/undals er so wohl als andere/ die ihn außAndacht besuchten/ vermerckten/ daßsich sein letstes End herzu nähere/ be-gehrte er seinen gewöhnlichen Pfarr-herren/ von deme er mit vorgehenderBeicht/ auch Reu/ und Leyv seinerSünden dcmüthiglich das hochheiligsteSakrament des Altars in gegenwartviler guthertzigen / und andächtigen Be-nachtbaurten empfienge/ und schide al-so mit einem seeligen End von disemJammerthallauf den 19. Tag Maij /um die H. Pfingsten des obgesagten1516. Jahrs. Darauf wurde seinaußgemärgelter Leib nach alten Christ-lichen Brauch vom Psarrherren vonKrienS/ und den Dorffleuthen mit

grofi

1

Cap 6.