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Lust, und Liebe zum Tod, samt der grossen Kunst gottselig zu sterben : das ist: Gründlicher Beweisthum, dass ein rechter Christ den Tod nit förchten, sondern mit Begierd standhafftig erwarten, und mit Freuden empfangen solle samt lehrreicher Unterrichtung, wie man sich zum Tod bereiten, wohl, und glückseelig sterben könne / beschrieben durch A.R.P. Gerald Wieland, Capitularen des Fürstlichen Gottshauss St. Gallen
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Sechster Absatz. 7z

Zeit gehet durch mit Essen/ Trjncken/Schlaffen/und tausend anderen Beschäffti-gungen / auch wohl unnützen / und welt-lichen Händlen; inzwischen wird das Ge-müth verwirret/ verstreut/ und beunruhi-get / also daß man so gar das gewönhilcheGebett schlecht und obenhin verrichtet.

Aber nach dem Tod wirst du allezeit al-lenthalben/ und aufdaß vollkommneste oh-ne einige Vcrhindernuß können GOttdan-cken/ loben/ preisen/ und benedeyen.

Lctstlich hat es eben ein solche Beschaf-fenheit mit der Liebe: Wir lieben oftGOtt/ das höchste Gut mit Hertz undMund; aber gleich erzeigen wir das Wi-dersteh! in dem Werck.

Ach' wie oft erweckest in dir Uebungender Göttlichen Liebe? Ach! wie oft bezeu-gest/ daß du das höchste Gut über allesliebest? und vergehet kaum ein Viertel-stund / so überwindet dich deine Sinnlich-keit/ und sündigest schon wieder/ gantzder Unbeständigkeit unterworffen.

Ach! wie oft thust du dich auß mit demHeil. Paulo: wer wird mich abjsndernvon der Liebe Christi? Trübsrai/ oderAngst? Verfolgung / oder Gchwerdt? rc.

E s Nichts