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Lust, und Liebe zum Tod, samt der grossen Kunst gottselig zu sterben : das ist: Gründlicher Beweisthum, dass ein rechter Christ den Tod nit förchten, sondern mit Begierd standhafftig erwarten, und mit Freuden empfangen solle samt lehrreicher Unterrichtung, wie man sich zum Tod bereiten, wohl, und glückseelig sterben könne / beschrieben durch A.R.P. Gerald Wieland, Capitularen des Fürstlichen Gottshauss St. Gallen
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§6 Ersten Theils/änderten Capitels/

schäfften unsers eigenen Heyls/auch alles/was sich jcmalcn in der Welk zugetragen.Endlichen werden wir sehen alle erschaffeneDing/ die jemalen gewesen seynd/ und al-le ihre Schöne / Krafften/ und Eigenschaff-ten : Und nach hundert mal hundert raufendJahren wird diese Seeligkeit so vollkomen/so angenehm/ und erfreulich seyn / als indem ersten Augenblick.

Wann du derohalben viel erfahren/ vielwunderliche Sachen zu sehen/ viel Künstenund Wisscnschafftenzuergreiffen begehrest/so wirst du dieses alles haben/ so bald dufür das Angesicht deß HErm kommest.

Wann du gern hättest/ grosse Macht/Ansehen / Ehr/ Schatz / Reichthum/gros-ses Lob / Ruhm / und alle ersinnliche Wol-lüst; da wirst du alles überflüssig / und e-wig haben. O glückselige Seeligkeit! Osüsse/ und erwünschte Anschauung deß gött-lichen Angesichts l Wann? ach ! wannwird mein Seel dahin gelangen ? So langwir allhier leben / kann es nicht seyn/ alleinder Tod ist jener göttliche Bott/ der, unsdas göttliche Angesicht zeiget.

So stehe dann auf mein Seel! lege abdie chorrechte Forcht deß Tods/ erhebedem

Be-