Gebeth im Advent. Z67
zunehmen, und ein unmündiges Kindlein zuwerden. Groß war zwar die Freud deinerSeele, daß du in dem jungfräulichen Leib,als in demallerreinesten Zimmer lägest: Gleich-wohl war die Beschwerniß deines zarten Leib-leins nicht gering, dieweil du deine fünf Sinnenicht brauchen, keine Hand- noch Füßlein be-wegen , noch dich nach Belieben wenden undkehren könntest: sondern müßtest als in einemengen Kerker verschlossen liegen, und neunMonat lang in diesem finstern Zimmer ver-lieb nehmen. Für alle Abtödtung deiner fünfSinnen, welche du freywillig angenommenhast, danke ich dir aus ganzer Kraft meinesHerzens, und benedeye deine hochverwun-derliche Gütigkeit, daß sie sich gewürdigethat, gleich zu Anfang ihres Lebens so viel füruns Menschen zu leiden.
Weit größer aber war das Leiden deinesHerzleins, dieweil du von der ersten Stunddeines Lebens, so viel und schwere Marter indeinem süßesten Herzen für uns zu leiden an-gefangen hast, daß es natürlicher Weis hät-te müssen zerspringen oder versinken. Du er-kanntest schon damals, daß deine Menschheitvon GOLL wäre erschaffen worden, mit dei-nem Blut und Tod die sündigen Menschen zuerlösen. Du erkanntest schon damal alle Sün-den, welche die Menschen begangen hatten,und die unendliche Schwachen, so die Sün-