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An seinem Profeßioris- Tag. 525
den sage ich dir herzlichen Dank, und bezeugehier vor Himmel und Erde, daß du mir in die-sem heiligen Ordens-Stand mehr Gutes erwie-sen hast, als ich dir in Ewigkeit vergelten kann.
Ich bekenne auch, daß ich dir bishero sehrundankbar gewesen, und dir in meinem Standsehr nachläßig gedienet habe. An dem heuti-gen Tag habe ich dir einen leiblichen Eid ge-schworen, daß ich Gehorsam, Armuth, undKeuschheit unverbrüchlich halten wolle: aber,ach leider! ich hab diesen theuren Eid gar schlechtgehalten, und oftmals gar gebrochen und ü-bertretten. Gegen meinen Obrigkeiten bin ichungehorsam und Halsstarrig gewesen, und all-zeit gesucht mehr meinen, als ihren Willenzu er-füllen. Die Armuth habe ich allzeit geflohenund gescheuet, habe niemal wollen Mangelleiden, sondern in allen Dingen den Ueberflußhaben. Die Keuschheit habe ich wenig geliebtnoch gehalten, sondern mich oft wider selbe mitGedanken, Worten, und Werken versündi-get. In der Andacht bin ich gar nachläßigund verdrossen gewesen, und meinen Khor-Gang sammt den Tag-Zeiten gar träge undschlecht verrichtet. Die heilige Meß habe ichmit gar geringer Andacht angehört, und die hei-ligen Sakramenten der Beicht,und Kommuni-on mit schlechtem Eifer empfangen. In denBetrachtungen und Lesung der geistlichen Bü-cher, bin ich gar nachläßig gewesen, und zur Er-langung der Tugenden habe mich sehr wenig be-
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