L6S Betrachtung
Francisca in diftm Ihrem Ehe-stand der Tugend also ist erge-ben gewesen/wie vilmehr dir vö-llige stock und heilig zu leben.Sogehe in dich selbsten/ und er-forsche dein Hertz / ob du seyestwie du seyn sollest ; Befindestdich nicht also/ trag ein Hertz-liehe Rew und Leyd/ und besseredich.
Betrachte / daß obwvhlenFrancisca immer einen Engel inder Gestalt eines jungen Kna-bens gehabt / der Sie vor dembösen Feind beschützt/in IhremThuen und Lassen regiert / undwegen Ihren Fahleren auch miteiner Maultaschen gestrafft/oderso lang sich verborgen/ biß Sieernstliche Büß gethan / der Sieauch durch die Gestalt seinesschönen glantzenden Leibes zurTugend aufgemuntert/und nochvik tausend andere Gutthatenmitgetheilt/ hab Sie doch nachdem Avfterben Ihres Ehe-Her-rens einen noch fürtrefflicherenEngel bekommen/ indeme Sieals in einem hellen Spiegel zuIhrer Und anderer Seelen Heyldie allerverborgmsteSachen undGeheimbnussen gesehen.
vamzscens ! Wann du schondernen Schutz- Engel mit leibli-
chen Augen nicht schest/nmst dudoch Ihnne ftats vor deinerSeelen Augen haben/ und festig-lich glauben / daß Er dich vordeinen Leibs und der SeelenFeinden schütze / zur Tugendaufmuntere/und nicht wenigerals krLNdlcLm innerlich straffe/warm du schon keinen empfind-lichen Backenstreich empfangest.Dancke demüthig disem deinemSeelen-Hirten/mrd hüte dich/daß du in seiner Gegenwart >nichts Böses thuest/und zweiflenicht/daß je mehr du zu grössererVollkommenheit werdest trach-Len/je krafftigerEr dirbeystehenwerde.
Der vmdte Punct.
NEtrachtc/daß zwar Franciscanach dem Absterben IhresEhe-Herrens / mit Hülff undBeystand eines noch fürtress-licheren Engels die beste Gele-genheit habe gehabt/Gott demHErren zu dienen / und demNächsten in seinen Leibs undder Seelen Nöthen beyzusprin-gen/ hab Sie sich doch darmitnicht vergnügt/sonder nach nochgrösserer Vollkommenheit ge-trachtet / und den Eyffer/ wel-chen Sie als ein eilss-jährige
Tochter